Immortality: Ein erzählerisches Kunststück

Erinnert sich jemand an Her Story aus dem Jahr 2015? Das Krimi-Abenteuer gehört für mich zu den erzählerisch kreativsten Spielen des letzten Jahrzehnts. Mittlerweile ist es für PC, iOS und Android erhältlich. Obwohl man sich nur über Videoclips durch eine Polizei-Datenbank wühlte, entstand eine unheimlich dichte, manchmal sogar surreale, an Silent Hill erinnernde Atmosphäre. Dass sich ein Spieldesign derart konsequent auf filmische Elemente konzentrierte, war der Idee von Sam Barlow zu verdanken.


Und damit kommen wir zu Immortality, denn das ist der aktuelle Streich des britischen Spieldesigners von Half Mermaid, der am 30. August für PC sowie XBS und gestern auch über Netflix für iOS und Android veröffentlicht wurde. Es geht um die Suche nach einer Schauspielerin namens Marissa Marcel, die plötzlich verschwunden ist. Sie trat zwar in drei Filmen 1968, 1970 und 1999 auf, aber die wurden nie veröffentlicht. Als Spieler kann man hunderte (!) real gedrehte Szenen aus diesen ansehen, sie pausieren und darin vor- und zurückspulen, um Hinweise oder Widersprüche zu entdecken.



An dieser Stelle will ich gar nicht mehr erzählen, sonst wird das eine Rezension. Falls ihr Her Story mochtet und Storytelling-Experimente mit Tiefgang sucht, solltet ihr auf jeden Fall in dieses detektivische Abenteuer abtauchen. Es konnte weltweit großes Lob einheimsen und wurde gerade bei den Game Awards in zwei Kategorien (Game Direction, Narrative) nominiert.


Im Sommer hab ich Immortality leider nicht besprechen können, aber vielleicht hole ich das bald nach - zur Not in der zweiten Breitseite. In der kommenden GEE 71 gibt es allerdings einen wunderbaren Artikel von Daniel Appel dazu, den ihr vielleicht noch aus Auf einen Whisky 005 kennt. Er beschreibt darin sehr nachvollziehbar, warum dieses interaktive Filmspiel eine besondere erzählerische Sogwirkung entfachen und als Meisterwerk gelten kann. Ich bin sehr froh, dass wir diesen Bericht im Heft haben.


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