Flintlock: Siege of Dawn: Wenn die Axt den Zauber zertrümmert

Wie cool ist dieses Artwork? Ich hab es damals direkt teilen müssen, als die Coverstory zu Flintlock: The Siege of Dawn in der Mai-Ausgabe der Edge erschien. Die Illustration hat mich vor allem deshalb neugierig gemacht, weil die lässige Lady von einer rätselhaften Kreatur begleitet wird: Fuchswesen? Dämonenkatze? Woher kommt sie? In welcher Welt spielt das?



Mittlerweile weiß man: Sie heißt Enki, besitzt magische Talente und begleitet die Axt schwingende und Pistolen feuernde Heldin Nor. In diesem Abenteuer treffen also nicht nur Klingen und Pulverdampf aufeinander, sondern auch arkane Kräfte. All das in offener Rollenspielwelt, als Soulslike konzipiert, in dem man gegen Götter und ihre untoten Schergen antritt...


Dass alle Nachahmer noch viele Jahre im Glanz von Elden Ring verblassen werden, weil sie letztlich zwar viel ähnliche Mechanik, aber zu wenig Weltschöpfung derart meistern können, ist gar nicht so schlimm. Denn im Gleichschritt gibt es ja eine Chance: gerade deshalb könnte man als Hommage kreativ auffallen!


Immerhin will ich sehr gerne mehr in der Art spielen, aber am liebsten etwas mit eigenem Charakter. Es muss nicht so weit weg sein wie ein Hollow Knight als Kampf-Plattformer, aber es müsste eine markante Anziehungskraft in seiner Spielwelt über Kreaturen und Regie ausüben. Warum also nicht ein Duo? Immerhin haben Spiele von Ico über The Last of Us bis God of War davon profitiert!


Zudem hat dieses faszinierende Wesen namens Enki, das immerhin nach einem sumerischen Weisheitsgott benannt ist, diese rätselhafte Aura - das muss man erstmal als Kreaturenschöpfer hinkriegen. Das hätte also ein ästhetischer Startpunkt sein können. Tja, jetzt haben die Macher von Ashen erste Spielszenen aus Flintlock: Siege of Dawn veröffentlicht:



Enki scheint nicht mehr zu sein als ein kämpfender Sidekick, der sich auch noch wie ein Djinn in Luft bzw. arkane Partikel auflöst, um Feinde magisch zu schwächen. Das ist natürlich einfacher zu inszenieren als ein körperlich aktives Katzenwesen. Aber es wirkt auch so gewöhnlich als würde Nor letztlich nur Magie wirken - schade.


Okay, das wäre auch nicht sooooo schlimm, man darf nach Stray nicht übermütig werden. Dann zeigt man allerdings keinerlei Interaktionen mit Enki, die das Besondere dieses Wesens irgendwie unterstreichen würden. Das heißt noch lange nicht, dass es sie nicht geben könnte! Aber welches Genie des Teams hat sie dann aus welchen Gründen für die Gamescom-Präsentation versteckt?


Stattdessen zeigt man so viele gewöhnliche Kampfszenen hintereinander, dass nicht nur die Ruckler und KI-Statisten auffallen, sondern auch die Heldin mit ihren Axtangriffen die letzte Hoffnung auf rätselhaften Zauber zertümmert. Vielleicht hab ich gerade zu viel The Last of Us gespielt, aber wo bitte ist da die Wucht im Nahkampf beim Aufprall? Nur in einer Szene, die ein Finisher sein soll, blitzt da mal was auf. Also schon wieder auf Distanz tänzeln, wegrollen und A, B, C aka Klinge, Projektile, Magie aktivieren, bis der Feind fällt.


Ja, die Kämpfe sehen immer noch okay aus, besser als etwa aktuell in Steelrising, ebenfalls ein Soulslike. Und nicht falsch verstehen: Flintlock: Siege of Dawn gehört für mich immer noch zu den potenziell soliden bis guten Soulsikes, zumal ich nichts über die Spielwelt und ihre Geheimnisse weiß. Aber im direkten Vergleich mit anderen dieser Art wie etwa Lies of P oder Black Myth: Wu Kong hat es sich mit diesen gewöhnlichen Spielszenen entzaubert. Vielleicht werde ich ja Anfang 2023 eines Besseren belehrt, wenn es für PC, PS4/5 und XBS erscheinen soll.