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Cryptmaster: Dungeon-Crawler mit Wortwitz

Ich zocke mich gerade durch das Steamfest. Die meisten Spiele zappeln schon nach der Demo an der Oberfläche. Manche wie Dungeonborne oder Crown Wars: The Black Prince locken mich zwar thematisch sofort an, aber nach wenigen Minuten wird deutlich, wie schwach designt oder austauschbar sie sind.


Umso schöner ist es, wenn man endlich mal in ebenso düstere wie kreative Tiefen gezogen wird, wie von Cryptmaster. Oder wann habt ihr schonmal in einem Dungeon-Crawler mit Worten erkundet und gekämpft, während ein gehörnter Meister zu euch spricht? Der sorgt sofort mit seiner unheilvollen Präsenz für Spannung, zumal man ahnt, dass man ihm nicht trauen kann...



Aber selbst wenn in seiner Stimme einiges an Bosheit, List und Tücke mitschwingt, belebt er vier untote Helden zum Leben. Allerdings starten Kämpfer, Dieb, Barde und Hexenmeisterin ohne Ausrüstung und Fähigkeiten in der Dunkelheit eines schwarzweißen Labyrinths, als im wahrsten Sinne des Wortes unbeschriebene Blätter.


Dort lauern Monster, Schätze und Rätsel im Stile der Dark Fantasy alter Abenteuer-Spielbücher, so dass man auf ebenso Bizarres wie Satirisches trifft. Man läuft zwar aktiv mit den Pfeiltasten, aber nur Sprache kann die Erinnerungen der Helden zurückbringen - fast jedes Wort kann man eintippen und alles wird vom Cryptmaster kommentiert.


Aber an bestimmten Stellen muss man spezielle Buchstaben eingeben, um zu interagieren: Etwa CHEST, um eine Kiste zu öffnen, JUMP, um über einen Abgrund zu springen, oder HIT, damit man ein Froschmonster attackiert - übrigens in Echtzeit, denn es kommt langsam näher, also gibt man nach der Abkühlungsphase weitere HITs ein. Aber wann können die anderen helfen? Wenn sie sich erinnern...


Hier hilft ein HIT - oder andere Wortattacken.

Es geht um einfache englische Worte, aber es entsteht angenehmes Kreuzworträtselflair. Um eine Kiste zu plündern, muss man die Beute z.B. genau bezeichnen. Sprich: Der Cryptmaster gibt eine begrenzte Zahl an Hinweisen, wenn man LOOK, FEEL oder SMELL ausspricht. Aus seinen Beschreibungen muss man dann etwa HELMET, SHIELD oder COIN erraten, damit sie ins Inventar wandern.


Manchmal sieht man auch nur bestimmte Buchstaben wie etwa A und P samt einer Lücke unter den (cool gezeichneten und leicht animierten) Portraits der Helden. Gibt man jetzt GAP ein, bekommt man nur einen irritierten Kommentar des Cryptmasters. Aber gibt man ZAP ein, sieht man plötzlich Blitze aus den Händen des Magiers zucken und hat einen seiner alten Zauber erlernt - cool!


Vorsicht, dieser Schild lässt keine Angriffsworte mit E durch!

So wandert man mit den vier Helden à la Dungeon Master durch die Gruft, wird vom Cryptmaster zu garstigen Taten samt Tempelschändung angestiftet und soll ein Artefakt für ihn finden. Kaum steht man vor dem Wächerauge, will es überprüfen, ob man tatsächlich lebendig ist. Welche Frucht habt ihr zuletzt gegessen? Wie beschreibt ihr die Sonne?


Anscheinend will da jemand verhindern, dass vier Untote mit ihrem Meister an die Oberfläche gelangen. Aber nichtsdestotrotz kann ich das Auge täuschen, bin verflucht neugierig, was mich in diesem Abenteuer noch erwartet - und dann ist die Demo leider vorbei, schade! Cryptmaster ist eine ebenso stimmungsvolle wie kreative Interpretation des Genres, voller Wortwitz, Sarkasmus und Rollenspiel-Bezüge, die dieses Jahr über Akapura Games auf dem PC erscheinen soll. Ach so, es ist gerade unter den Top 9 zukünftiger Spiele in meinem Kurs für 2024 gelandet.


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