Geschichte in Elden Ring: Der Helm der Kaiden und die Wikinger

Das Zwischenland steckt nicht nur voller Abenteuer, sondern auch voller Bezüge zu Literatur, Kunst und Geschichte. Die Motive in Elden Ring sind vielfältig, manchmal geht es nur um Stile oder Formen, Namen oder Figuren, Waffen oder Bilder. Im Rahmen einer Rezension kann man auf diese Einflüsse nicht immer eingehen, aber in meinem Notizbuch befinden sich noch einige Anmerkungen dazu. Eine heißt: Helm = Wikinger.


Ihr Helme erinnern an jene der Vendel- und Wikingerzeit: Man kann einen Kaiden auch als Begleiter beschwören.

Recht früh begegnet man in Limgrave den Söldnern aus Kaiden: Sie patrouillieren entweder zu Pferd oder kampieren in ihren Lagern. Mit ihrem Krummschwert und dem Kriegsschrei sind sie sehr gefährlich. Meine Notiz bezieht sich allerdings auf ihren markanten Helm. Denn genau diese Art des Kopf- und Gesichtsschutzes war in der so genannten Vendelzeit (550 - 800 n.Chr.) von Britannien bis Skandinavien verbreitet. Man nennt sie auch Maskenhelme, Brillenhelme oder Kammhelme.



Der berühmteste Helm dieser Zeit ist sicher jener aus dem englischen Schiffsgrab von Sutton Hoo: Er kann heute als prächtige Replik im British Museum besichtigt werden. Man vermutet, dass er aus dem Umfeld des angelsächsischen Königs Raedwald (550 -624 n.Chr.) stammt, der über Ostanglia herrschte. Verblüffend ist seine Ähnlichkeit mit einem Fund aus dem weit entfernten Schweden.


Und genau an diesen erinnert der Helm der Kaiden mit Kamm, Brille, Nasenschutz und Kettengeflecht: An den Helm aus einem Bootsgrab bei Valsgärde. Meist gibt es noch Ösen für die Anbringung von Kopfschmuck wie Rosshaar. Auf jeden Fall waren das beeindruckende Erscheinungen, die da im Frühmittelalter unterwegs waren. Wer war so ausgerüstet? Fürsten und ihre Krieger-Elite. Die Völker der Gauten und Svear werden schon im Beowulf erwähnt und das Königsgeschlecht der Ynglinge wird mit den Hügelgräbern aus Uppsala in Verbindung gebracht. Jedenfalls gab es schon in dieser Vendelzeit neben Beutezügen und Krieg regen kulturellen Austausch zwischen Nord- und Ostsee. Über Heiraten, Handel und Bündnisse wurde u.a. auch Mode getauscht - der Stil dieser Helme war weit verbreitet, es gibt aus der Vendelzeit über 30 Funde. Heute geht man davon aus, dass dieses Gebiet in Schweden ein prägendes kulturelles Zentrum war.


Jetzt könnte man meinen, dass es aus der direkt folgenden Wikingerzeit noch viel mehr Helme gibt - schließlich wurde ganz Europa befahren, Königreiche wurden gegründet und zahlreiche Schlachten geschlagen. Allerdings gibt es ab etwa 800 n.Chr. kaum noch Funde. Trotzdem kann man davon ausgehen, dass sich der Stil bis ins 10. Jahrhundert gehalten hat, denn es gibt immerhin einen Beweis: in diese Zeit datiert der aus Norwegen stammende Gjermundbu-Helm, der einzige gut erhaltene Helm der Wikingerzeit. Er ist nicht so reich verziert, die Tiermotive fehlen, aber auch er hatte eine Brille und konnte mit einem Kettengeflecht zum Schutz des Halses ausgestattet werden.


Wenn man heutzutage von "Wikingerhelm" spricht, sind also meist die Brillen- oder Kammhelme der Vendelzeit gemeint, wobei man bedenken muss, dass die meisten Krieger wesentlich einfachere Exemplare trugen. Mittlerweile sorgen ja auch TV-Serien wie Vikings oder Spiele wie Assassin's Creed: Valhalla dafür, dass der seit dem 19. Jahrhundert und von Richard Wagners Nibelungen-Opern gepflegte Mythos vom Hörnerhelm verschwindet.


Den gab es zwar auch, aber da sind wir dann in der Bronzezeit sowie bei den Kelten, die ihn vermutlich für kultische Zwecke verwendet haben.


Natürlich müsste man für die Ursprünge dieser Helme weiter in derAntike stöbern, denn auch von den Kelten, Griechen und Römern gibt es Funde mit Ähnlichkeiten. Vor allem von Letzteren kannten schon die Nordgermanen sowohl den Reiterhelm der Legionäre als auch den Paradehelm mit Maske, der ja zu den wertvollsten Funden der Varusschlacht (9 n.Chr.) gehört, die man im Museum Kalkriese begutachten kann.


An diese Maskenhelme der Römer erinnern in Elden Ring übrigens die Magier in Raya Lucaria sowie in der Tafelrunde der Ritter D, der die Toten jagt - und gleichzeitig eine schöne Anspielung auf den Anime-Film Vampire Hunter D. von Yoshiaki Kawajiri ist.


Ritter D., Elden Ring.

Man sieht schon: Aus kunsthistorischer Sicht lässt sich From Softwares Fantasy-Abenteuer nicht in eine Epoche einordnen, es ist ein Patchwork aus Stilen, die bis in die Renaissance reichen. Aber nichtsdestotrotz stecken viele interessante historische Bezüge darin. In meinem Notizbuch sind jedenfalls noch ein paar Anmerkungen.