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Indika: Die Nonne und der Teufel

Ich habe in den letzten Tagen etwa zwei Dutzend Spiele über Steam gezockt - einige wie Geometry Survivor waren arcadig kurzweilig, andere wie Cryptmaster wortwitzig bizarr und Homeworld 3 hat mich voller Hoffnung auf sein Comeback in den Weltraum gebeamt.


Aber keines hat mich so neugierig gemacht wie Indika. Es ist ein hoch interessantes Action-Adventure, das in seiner Schultersicht zwar vertraut wirkt, aber von Beginn an mit kreativen Ideen überrascht - und nicht damit aufhört.


Eine Nonne und ihr schwer verletzter Begleiter, der sie erst kürzlich kidnappte, radeln auf einem Steampunk-Fahrrad durch den Winter. Spätestens wenn man kyrillische Schrift auf Schildern liest, wird Russland als Schauplatz erkennbar.


Die Mode und die Architektur mit ihren riesigen Maschinen lassen an ein alternatives 19. Jahrhundert denken, eine Art Steampunk-Variante. Schon die schräge Perspektive der Kamera sorgt für eine leicht verstörende Atmosphäre, doch zunächst wirkt alles recht gewöhnlich.



Man sucht mit dem Verletzten einen Weg in ein Kloster, muss Hindernisse beseitigen und kleine Rätsel lösen. Aber was soll die Pixelanzeige der Punkte oben links? Bald offenbart sich unter dem scheinbar religiös-historischen Abenteuer eine Parallelwelt samt teuflischer Stimme im Kopf.


Wenn die Nonne an Altären ein Licht entzündet oder Heiligenbilder sammelt, gewinnt sie Erfahrung, steigt auf einer gelben Leiste wie in einem Arcade-Spiel auf und wählt aus Pixel-Icons eine Fähigkeit, die ihr je nach Aktion diverse Punkteboni verleiht. Wtf?


Das Abenteuer beginnt in einer Winterlandschaft.

Hier entsteht nach der schrägen Kamera ein zweiter ästhetischer Bruch zum historischen Realismus der Winterkulisse. Und kaum erkundet man die Gegend weiter, meldet sich jemand und hinterfragt mit Intelligenz und Sarkasmus den Glauben der Nonne.


Dann geht es in ihrem Kopf um Schuld und Sühne, um Religion und Autorität, Sinn und Unsinn, während man Hebel bedient, Gegenstände sucht und Plattformen bewegt. Der Teufel hinterfragt nicht nur das orthodoxe Weltbild, sondern verzerrt es auch.


Es kommt in einer Halle zu bizarren Halluzinationen, wenn plötzlich Plattformen und Wege auseinander reißen, die die Nonne wie in einem Puzzle zusammen fügen muss, um über die tödlichen Abgründe von A nach B zu gelangen.


Der Teufel mischt sich in die Gedanken ein und verzerrt die Welt.

Kurz darauf ist die Demo vorbei und ich dachte mir: klasse Regie! Natürlich muss man abwarten, wie sich das Abenteuer im Kloster entwickelt, was der Arcade-Ansatz im Kontext des Teuflischen soll, in welche erzählerische Richtung das geht.


Aber Indika ist eine tolle kreative Überraschung innerhalb des Steamfests. Die russischen Entwickler von Odd Meter haben zuvor lediglich das VR-Spiel Sacralith: The Archer's Tale gemacht und arbeiten mittlerweile von Kasachstan aus.


Im Gegensatz zu Atomic Heart dürfte es hier keine indirekte Propaganda geben, denn Director Dmitry Svetlov hat sich klar gegen den russischen Angriffskrieg positioniert. Das Spiel wird von den polnischen 11 bit Studios im April 2024 für PC, PS5 & XBS veröffentlicht.



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