Sovereign Syndicate: Rollenspiel aus Kanada macht neugierig

Sovereign Syndicate ist ein für den PC angekündigtes Rollenspiel aus Kanada, das bei mir wohlige Erinnerungen an Arcanum sowie erzählerische Hoffnungen weckt. Die älteren Semester erinnern sich vielleicht: Troika Games, darunter die Macher des ersten Fallout, inszenierten 2001 ein stimmungsvolles isometrisches Abenteuer, in dem Magie auf Technik traf.


Das Team von Crimson Herring will ebenfalls auf diesen Kontrast setzen, der Steampunk in der Regel so reizvoll macht. In einer offenen Welt, die ein alternatives London darstellt und hinsichtlich Mode sowie Architektur an das Viktorianische Zeitalter angelehnt ist, ist man als einer von drei wählbaren Charakteren unterwegs: Als Minotaurus-Magier Atticus Daley aus den Slums, als Korsarin Clara Reed auf Rachefeldzug oder als blecherner Automat namens Otto, auf der Suche nach mehr Sinn als 24/7-Service für die Menschen.


Es gibt drei spielbare Charaktere.

Trotz der komplett unterschiedlichen Biografien sollen sich ihre Geschichten im Laufe des Abenteuers so verzweigen, dass man andere Blickwinkel auf die Story gewinnen und anscheinend zusammen arbeiten kann - allerdings haben nicht alle dasselbe Ziel. Dabei setzen die Kanadier auf ein ausgefeiltes Dialogsystem mit mehreren Antwortoptionen, das einen zwischen Kampf und Überzeugung agieren lässt. Das erkennt man auch hier:



Es geht also neben taktischen Gefechten auch um Lösungen in Gesprächen. Ähnlich wie in klassischen Rollenspielen à la Pillars of Eternity entscheiden Talente und Fähigkeiten, welche Möglichkeiten man in einem Konflikt hat. Dabei werden nur jene verbessert, die man auch aktiv anwendet. Dazu gehören z.B. Selbstdisziplin, Behändigkeit und Verstand - es gibt aber auch exotische Exklusivitäten.


Als Minotaurus hat man z.B. einen hohen Wert von 18 auf seine tierischen Instinkte. Außerdem ist man charakterlich aufbrausend, kann Leute einschüchtern und legt wenig Wert auf Hygiene. Man kommt aus ärmlichen Verhältnissen, hört die Stimme einer alten Frau und versucht sich als Magier durchzuschlagen. Außerdem sollen Nebencharaktere sowohl auf das Geschlecht als auch die Erscheinung sowie den Charakter des Helden reagieren. Das klingt interessant!


Isometrische Perspektive, viktorianischer Stil.

All das kennt man natürlich im Ansatz, aber in Sovereign Syndicate kommen zwei weitere Aspekte hinzu: Zum einen konzentriert man sich mit London auf eine Stadt. Es geht nicht um ferne Länder und riesige Reiche in einem globalen Konflikt, sondern um ein spezielles urbanes Milieu mit 20 Regionen, die sich vor allem um den Hafen konzentrieren - so kann man die Story besser verdichten.


Zum anderen kommen Tarot-Karten hinzu, die sowohl das mysteriöse Flair verstärken als auch die Taktik bereichern könnten. Denn sie ergänzen in Konflikten die Charakterwerte, so dass für eine Probe nicht nur die Fähigkeiten und Werte, sondern auch die aktive Karte eingesetzt werden kann - inwiefern sich das von einem klassischen Würfelsystem unterscheidet, bleibt abzuwarten.


Talente werden durch Anwendung verbessert.

Natürlich ist das alles erstmal Theorie, vor allem die angedeutete Kooperation unter den drei Helden bleibt noch etwas schwammig: Inwiefern können sie sich trauen? Können sie sich in Konflikten auch trennen? Ich gehe mal davon aus, dass es auch andere NSC geben wird, die einen begleiten können.


Crimson Herring macht mich als Rollenspieler alter Schule mit diesem Konzept jedenfalls sehr neugierig. Außerdem trifft das kompetente Artdesign bereits meinen Nerv. Und neben Arcanum erinnert mich auch irgendetwas an Disco Elysium. Falls es an dessen erzählerische Qualität herankommt, wäre das natürlich famos. Im Rahmen der Gamescom soll es übrigens eine Demo geben. (Bilder: Sovereign Syndicate, PC, offizielles Material von Crimson Herring)