Warum Erkundung?


Wenn ihr auf "Berichte" klickt, findet ihr links neben "Vorschau", "Rezension", "Vertiefung" und "Schatzkiste"die Kategorie "Erkundung". Eigentlich könnte dort so etwas wie "News" stehen. Aber mir gefällt das Wort "Erkundung" nicht nur gut, weil es schöner klingt und ein wichtiges Element innerhalb digitaler Abenteuer sein kann. Es passt auch besser zu dem, was ich an dieser Stelle anbieten werde: lockere Beobachtungen und Gedanken zu dem, was mich interessiert. Es gibt hier also keine Flut an Nachrichten im klassischen Stil.


Natürlich könnte ich einen "Newsticker" alleine auch gar nicht bewältigen. Aber in den letzten 20 Jahren als Chefredakteur habe ich diesen Bereich ohnehin gemieden. Denn 90% der "journalistischen Arbeit" besteht aus dem Wiederkäuen von Pressemitteilungen - möglichst schnell, möglichst viel, möglichst angepasst auf Suchmaschinen-Algorithmen. Heraus kommen meist Bausteine mit Buchstaben. Nicht ohne Grund sind bereits bei einigen Magazinen Bots aktiv, die Texte robotisch produzieren - oder sogar einsprechen.


Das ist keine exklusive Kritik an der Spielepresse, denn nahezu alle Medien arbeiten in diesem maschinellen Stakkato - nur dass die Quellen dann dpa, afp & Co statt EA, Ubisoft & Co heißen. Innerhalb dieser Arbeitsweise gibt es dennoch große Unterschiede, was Recherche, Informationen sowie Stil betrifft. Und man findet auch im SEO-Gleichschritt noch sehr gute Nachrichten.


Viele Journalisten meiner Generation haben sich dabei u.a. an Wolf Schneider orientiert, der als Leiter der Hamburger Henri-Nannen-Schule bis 1995 für ihre Ausbildung zuständig war. Nach dem Studium habe ich während der akademischen Weiterbildung zum Online-Journalisten sein Buch "Deutsch für Profis. Wege zu gutem Stil." studiert, um meine Texte zu verbessern. Tja, gelandet bin ich dann mit einem Test von Icewind Dale in der Spielepresse. Dort habe ich irgendwann selbst Redakteure u.a. nach dem etablierten Prinzip der sieben W-Fragen ausgebildet: Wer? Was? Wo? Wann? Wie Warum? Woher? Eine gute Nachricht kommt strukturiert mit allen Fakten auf den Punkt, vermeidet Füllwörter und vage Andeutungen - wie ein guter Bildhauer versucht man Überflüssiges wegzumeißeln, bis eine klare Form erkennbar ist. Man macht also all das, was ich in diesem Text ignoriere. Vieles von dem, was Mitte der 90er handwerklich gelehrt wurde, gilt natürlich auch heute noch. Nur leider wird nicht immer die inhaltlich und stilistisch bessere News von den meisten Lesern (also von Google) belohnt, sondern die am besten an das digitale Ökosystem angepasste. Das Schöne an Spielvertiefung ist, dass ich mich komplett frei von diesem Wettbewerb samt seiner Konventionen austoben werde: Meine Erkundungen sind keine News und Reichweite interessiert mich nicht. Es geht in der Spielvertiefung ganz egoistisch um meine Vorlieben. Bestimmte Genre wie Sport, Musik, Party, MMO, MOBA oder Themen wie Fifa, Call of Duty, Fortnite & Co werden hier nicht stattfinden. Manche Systeme wie eine Xbox Series X oder VR-Hardware besitze ich gar nicht. Ich werde auch nicht "vollständig" berichten, wenn es um Plattformen, digitale Shops oder Preise geht.


Schaut euch dieses Schiff und seinen Kapitän also gut an, bevor ihr an Bord kommt. Er segelt raus auf das Meer an Spielen und navigiert immer dann näher heran, wenn ihn etwas neugierig macht. Dort sammelt er Informationen, teilt seine Gedanken dazu - und fertig ist eine neue Erkundung. (Bildquelle: Kapitän Nemo nimmt den Höhenstand der Sonne auf, Alphonse de Neuville und Édouard Riou, gemeinfrei, 1869)