Brettspiele ohne Ende, da bleibt nur Loot, Shoot, Whisky

Als ich letztens in einem richtig gut sortierten Spieleshop war, habe ich nach kurzem Stöbern gemerkt, dass ich die SPIEL in Essen verpasst habe - ich schlenderte durch die Regale und dachte: Meine Güte, was es alles an Brettspielen gibt! Ich habe schon eine große Sammlung, aber da haben mich locker ein Dutzend richtig neugierig gemacht - auch "alte" Bekannte.


Manche wie Paleo, Arche Nova, Bloodborne, Viticulture, Great Western Trail, Brass, Hadrian's Wall, Hannibal & Hamilcar, Eclipse (das zweite galaktische Zeitalter) oder Betrayal at House on the Hill hatte ich schon auf der Liste. Aber viele andere wie Abgrundtief, Micro Macro Crime City (das Spiel des Jahres), Robin Hood, Der König ist tot, Descent: Legenden der Finsternis, Destinies, Rising Sun, Der Kartograph, Spirit Island oder Dune kamen hinzu.


Mein Notizbuch war voll und ich wusste nicht mehr, ob ich überhaupt was mitnehmen soll - zumal zuhause noch einige ungespielte Boxen warten. Als ich den Inhaber fragte, ob es überhaupt noch möglich sei die Kunden bei all den Neuerscheinungen zu beraten, musste er lächeln: das kann man nicht mehr leisten. Aber dafür könne man oftmals Klassiker empfehlen, die zeitlos gut sind und viele Mechaniken vorweggenommen haben, die in neuen Spielen nur leicht abgewandelt in anderer Kulisse auftauchen - das kennt man ja auch aus der Welt der Videospiele.


So kamen wir ins Gespräch über Workerplacement, das Spiel des Jahres, Tabletops und Dungeons & Dragons, das das über Jahre dominierende Pathfinder im Interesse der Kunden wohl verdrängt habe. Als ich gerade gehen wollte, fiel mein Blick an der Kasse auf eine kleine Papiertüte, die wie ein Booster-Pack für ein Trading Card Game aussah.


Die Steppnaht aus Garn machte mich genauso neugierig wie der Titel: Loot, Shoot, Whisky. Warum, brauche ich hier ja keinem erzählen - Freitag gibt es eine weitere Podcast-Folge, diesmal ist mit Arno Görgen ein Kulturwissenschaftler zu Gast. Aber zurück zum Impulskauf: Ohne weiter zu fragen, nahm ich das kleine Spiel für fünf Euro mit - und wurde später am Abend positiv überrascht.


Mal abgesehen vom kreativen Produktdesign steckt da ein kurzweiliges Kartenspiel für zwei Leute drin, die über geschicktes Vorausdenken um den Sieg kämpfen, indem sie gleichzeitig - wie bei einem Revolverduell - die Karten auf den Tisch liegen. Das Spielprinzip ist sehr simpel (empfohlen ab acht Jahren), beruht auf Schere, Stein, Papier, aber bekommt durch einen Kreislauf an Kontern eine gewisse psychologische Dimension: Loot schlägt Whisky, Whisky schlägt Shoot, Shoot schlägt Loot.


Und jeder sieht bei diesem Duell, um was es grade geht - die "Beute" liegt immer auf dem Tisch. Da liegen Goldnuggets? Die kriegt man nur mit Loot! Aber jeder weiß, welche Karte diese aussticht: nämlich Shoot. Aber Moment: Wenn mein Gegner clever ist, denkt er diesen Schritt auch voraus und legt Whisky, weil der Shoot schlägt. Also bin ich richtig schlau und lege doch einfach Loot? Tja...

Hier entsteht ein toller Kreislauf, bei dem man bluffen und kontern kann, indem man den Zug des Gegners vorausahnt. In fünf bis zehn Minuten kann man auf drei Arten gewinnen: Man häuft neun Goldnuggets an, erzielt vier Revolvertreffer oder - mein Favorit -trinkt die Whiskyflasche in drei Zügen leer!


Manchmal sind es auch diese kleinen Spiele, die die Faszination des Hobbys einfangen. Ich segel jetzt weiter Richtung Arnak, da warten verlorene Ruinen auf eine Rezension.

(Bilder: Loot, Shoot, Whisky, NSV-Spiele)