Broken Roads: Rollenspiel à la Fallout jenseits von Gut und Böse

Als Freund kleiner, aber feiner Rollenspiele habe ich u.a. Colony Ship, Stasis: Bone Totem, Roadwarden, Sovereign Syndicate und Death Trash im Visier. Broken Roads steht ebenfalls ganz weit oben auf meiner Liste der potenziellen Geheimtipps. Dass es eine Endzeit in Australien inszenieren möchte, die sich mit ihrer isometrischen Sicht an den alten Fallouts oder Wasteland 3 orientiert, ist nicht der entscheidende Grund - auch wenn es mit seinen handgezeichneten Kulissen bereits malerisch, detailreich und cool aussieht:



Also warum? Weil sich das Team von Drop Bear Bytes auf eine Story mit Entscheidungen konzentrieren will, die auf einem Moralsystem mit vier Philosophien beruht: Machiavellismus, Utilitarismus, Humanismus und Nihilismus. Je nachdem, was man sagt und tut, wendet sich der Charakter diesen Richtungen zu - wobei es sich lohnen würde zu analysieren, welche Art des Nihilismus oder der anderen Philosophien hier als Grundlage dient; denn da gibt es einige Abstufungen.

Aber zurück zum Vorhaben, das Abenteurer mit narrativen Ansprüchen sehr neugierig machen dürfte: Der moralische Status wird nämlich in einem Kreis mit Ringzonen dargestellt, wobei die Entwickler ein "realistisches" Rollenspielgefühl inszenieren wollen, indem man nur so handeln kann, wie es die aktuelle moralische Tendenz erlaubt. Man kennt das ja aus so einigen oberflächlichen Abenteuern: meist darf man alles, kann in Dialogen plötzlich vom Gewaltjunkie zum Ghandi wechseln, nur um mal eine andere Reaktion auszuprobieren.



In Broken Roads soll es anders laufen: Nur wenn eine Aktion in der bisher erreichten moralischen Zone liegt, soll man sie ausführen können. Sprich: Ist jemand nicht den eher menschlichen Idealen des Humanismus gefolgt, hat also entweder nach dem Mittel zum Zweck, der Nützlichkeit oder einfach nur destruktiv und gewalttätig gehandelt, darf er nicht plötzlich eine besonders friedvolle oder ehrenhafte Aktion aussuchen. Es bleibt natürlich abzuwarten, inwiefern das funktioniert, denn Machiavelli würde den abrupten Moralwechsel zur Zielerreichung durchaus empfehlen. Aber alleine dieses Vorhaben ist schon sehr spannend, zumal die Entwickler betonen, dass sie damit auch kein klassisches Gut und Böse, sondern die Graustufen darstellen wollen.


Aber nicht nur das Moralsystem, auch der Rest macht durchaus Hoffnung, denn man will dazu reichlich die klassische Tugenden anbieten: Gruppendynamik mit bis zu fünf Gefährten, rundenbasierte Kampftatktik, Erkundung einer authentischen australischen Welt. Broken Roads erinnert in den ersten Spielszenen jedenfalls an ein Wasteland 3, das übrigens nach all den Patches sehr gut geworden ist.


Außerdem wird es von der Spielepresse bereits mit Disco Elysium, Fallout und Baldur's Gate in Verbindung gebracht. Das ist schonmal ganz gute PR. Ich bin jedenfalls sehr gespannt, was da in der Endzeit passieren wird, ob es tatsächlich eine sich dynamisch und logisch entwickelnde Moral geben wird; das Team ist übrigens in Torquay im australischen Victoria ansässig. Broken Roads soll irgendwann 2023 für PC, PS4/5, XBS und SW erscheinen.


(Bilder: Broken Roads, offizielle Webseite)