Drei Alternativen zu Hollow Knight: Silksong

Als die Nintendo-Sprecherin bei der Indie World kurz nach Minute 42 andeutet, dass noch ein Spiel präsentiert wird, habe ich tatsächlich auf Hollow Knight: Silksong gehofft. Wir spielen jedes Jahr zu Weihnachten ein Abenteuer zusammen - und weil wir den unheimlich stimmungsvollen (und verflixt kniffligen!) Vorgänger mit seiner verwunschenen Welt in so starker Erinnerung haben, haben wir darauf gehofft, dass es mit der Hornisse weitergeht.


So geht es vielen Spielern da draußen, denn Hollow Knight konnte sich seit 2017 in kurzer Zeit vom Geheimtipp zu einer beliebten Marke mausern; inkl. Fanart, Merchandise & Co. Den kleinen gehörnten Helden mit seinem Schwert musste man einfach mögen. Und ich sehe heute noch den Hirschkäfer im Galopp heranrauschen. Natürlich trug auch eine von der Soulsreihe inspirierte Weltkonzeption zum Erfolg bei. Aber dieser magische Zeichentrickstil und diese Figuren wirkten so, als hätte Tim Burton die Welt von Biene Maja in etwas Finsternis getaucht.


Leider gab es in Nintendos Präsentation erneut keine Informationen von Team Cherry, obwohl es neben dem PC für Switch immerhin zeitexklusiv für Konsolen erscheinen soll. Es bleibt also offen, wann das im Februar 2019 angekündigte Spiel veröffentlicht wird - auch auf den offiziellen Webseiten der Australier herrscht seit fast zwei Jahren seltsame Funkstille. Das einzige traurige Lebenszeichen ist ein Twitter-Bot, der seit September 2020 nur Folgendes wiederholt: We still don't know when Silksong will be released.


Dass ich überhaupt Hoffnung hatte, dass bis Weihnachten vielleicht noch etwas passiert, lag an einer schönen Coverstory in der Edge diesen Februar - ihr könnt sie hier digital erwerben. Darin wurde deutlich, wie stark man tatsächlich Spielmechanik und Weltkonzeption ergänzen will. Ursprünglich war Silksong ja "nur" eine Erweiterung, die dann zum echten Nachfolger ausgerufen wurde. Spätestens in dieser Vorschau wurde dann deutlich, dass es nicht nur um über hunderte neue Charaktere sowie Fähigkeiten, sondern in der Rolle der Hornisse auch um eine ganz andere Akrobatik geht, die das Leveldesign verändert.



Durch das erhöhte Tempo und ihre nachsetzenden Jäger musste man die Gänge und Höhlen größer gestalten. Außerdem deuten die Entwickler an, dass der Kampf anspruchsvoller wird, weil die Feinde cleverer verfolgen und härter zuschlagen - man solle wesentlich öfter mit dem Tod kämpfen und sich selbst heilen müssen. Trotzdem soll der Schwierigkeitsgrad nicht höher als im Vorgänger ausfallen. Hinzu kommt neben dem Herstellen von Gegenständen samt Rezepten auch ein ergänztes Quest-System, das mit Pinnwänden für kleine Aufträge an Rollenspiele erinnert.


Immerhin sorgte dieses Lebenszeichen im Februar dafür, dass man sich keine größeren Sorgen um Team Cherry machen muss. Ich drücke den Entwicklern jedenfalls die Daumen, dass ihnen die Vollendung im nächsten Jahr gelingt.


Für dieses Weihnachten müssen allerdings Alternativen her! Kena: Bridge of Spirits ist sowieso Pflicht für uns, aber unterscheidet sich als Action-Adventure natürlich stark vom Spieldesign eines Hollow Knight. Daher stelle ich Alternativen vor, die etwas näher dran sind an der Hornisse. Da ich das sehr gute Metroid Dread für Switch bereits besprochen habe, konzentriere ich mich mit kurzen Einschätzungen auf drei Titel, die hier auf Spielvertiefung noch nicht gesichtet worden sind - aber da können Rezensionen folgen.


Lost Vikings lässt grüßen: Greak


Das Besondere an Greak: Memories of Azur ist, dass man nicht alleine unterwegs ist: Zwar startet man ohne Begleitung und lernt dabei Kampf, Magie, Akrobatik sowie das - etwas nervige - Herstellen von Tränken & Co kennen. Aber im Laufe des Spiels stromern drei Geschwister mit einzigartigen Fähigkeiten zusammen durch eine märchenhafte Fantasywelt, um alle Teile für ein Luftschiff zu finden. Ihre Welt wird von bösen Horden befdroht und sie wollen fliehen. Man muss zwischen ihnen wechseln, um spezielle Hindernisse und Probleme zu bewältigen, so dass einige Rätselsituationen entstehen. Das erinnert an welchen Klassiker? Richtig: The Lost Vikings, 1983 u.a. auf dem Amiga erschienen - als Blizzard von seiner Mutation noch nichts ahnte. Greak wird jedenfalls liebevoll inszeniert, bietet einen orchestralen Soundtrack und stammt vom mexikanischen Entwickler Navegante Entertainment. Es kostet knapp 20 Euro, ist für PC, PlayStation, Xbox sowie Switch erhältlich und hat solides bis gutes Potenzial.




Castlevania lässt grüßen: Ender Lilies


Stilistischer näher dran an Hollow Knight ist mit seiner düsteren Fantasy sicher Ender Lilies: Quietus of the Knights. Das vom japanischen Team Live Wire entwickelte Abenteuer hat mich schon früh neugierig gemacht. Und man merkt, dass da einige Konsolen-Veteranen rund um Game Director Keisuke Okabe am Werk waren: Es fühlt sich ein wenig an wie in einem Castlevania, wenn man mit Lily die riesigen, seitwärts scrollenden Wälder, Burgen und Dungeons erkundet und dabei intensiv, aber auch taktisch kämpft - bis hin zu klassischen Bossen, die wie Horrorfurien wüten können. Dabei kann man seine im Kontrast zur drohenden Dunkelheit weiß strahlende Heldin über ihre Fähigkeiten sowie Artefakte anpassen, viele Geheimnisse lüften und das Ende der Story beeinflussen. Das Artdesign ist klasse, die Animationen ebenso und der Grusel-Soundtrack stammt von der Indie-Band Mili, die zumindest in Japan recht bekannt ist. Ender Lilies ist für knapp 30 Euro für PC, PlayStation, Xbox sowie Switch erhältlich und hat gutes bis sehr gutes Potenzial.

Legend of Zelda lässt grüßen: Death's Door


Ich konnte nicht mehr bis Weihnachten warten! Also befinde ich mich mittendrin im verfluchten Behördenschlamassel einer kleinen Krähe - ich kenn das ja, wenn Unterlagen fehlen: da muss man durch zig Türen. Aber sie kämpft sich langsam heran und kommt der ihr geklauten Seele immer näher. Death's Door ist ein unheimlich sympathisches Spiel, das Humor und Tragik in einem märchenhaften Abenteuer verbindet. Selbst unserem Kater Snorri gefällt es so gut, dass er kaum davon loskommt...

Es wird nicht seitwärts scrollend, sondern ähnlich wie die frühen Zeldas aus der Draufsicht inszeniert: Man bewegt die kleine Krähe mit ihrem rot glühenden Schwert, kann wegrollen, Schalter bedienen und muss sich garstiger Feinde erwehren, indem man leichte und schwere Hiebe oder auch Pfeile und Magie aus der Distanz einsetzt. Im Gegensatz zu den obigen Beispielen gibt es keine besondere Akrobatik, die z.B. Absprungtiming erfordert, sondern eine Mischung aus Erkundung, Kampf und Rätseln.


Erstere ist zwar gemütlich sowie mit dem Greifhaken elegant, aber die Gefechte, teilweise in Wellen bis zum letzten Feind, können fordern - vor allem die cool designten Bosse haben es in sich: da ist sehr viel Geduld gefragt! Zwar zitiert auch dieses wunderschön illustrierte, auch von Ghibli (u.a. die Hexe) inspirierte Abenteuer die Soulsreihe, aber man verliert seine Beute an Seelen nicht und kann sich ohne großen Frust hinsichtlich Stärke, Geschick & Co entwickeln, zumal das Türensystem die Welt so verbindet, dass man zügig vorankommt. Death's Door wurde vom britischen Duo (was für eine beachtliche Leistung!) Acid Nerve entwickelt, kostet knapp 20 Euro, ist für PC, PlayStation, Xbox sowie Switch erhältlich und hat sehr gutes Potenzial.