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Gloomhaven: Taktik-Rollenspiel für Konsolen

Der erfolgreichste Nachfolger von HeroQuest ist Gloomhaven von Isaac Childres. Ich wollte das Brettspiel aus dem Jahr 2017 schon längst mal vorstellen, aber wie das so ist: Es fehlte immer die Zeit. Denn die Box ist nicht nur mehrere Kilo schwer, sondern enthält auch eine Fantasy-Kampagne, die einen bis vier Spieler für mehrere Wochen beschäftigen kann. Und es gab immer wieder Nachschub.


Gloomhaven wurde 2020 zunächst um die eigenständige Kampagne Pranke des Löwen erweitert, dann erschien 2022 der Nachfolger Frosthaven, der gerade bei Feuerland ins Deutsche übersetzt wird. Und 2024 soll es sogar eine Neuauflage namens Gloomhaven: Second Edition mit neuen Klassen, Artworks sowie angepasster Story geben, dazu mehrere hundert (!) Miniaturen sowie ein Pen&Paper-Rollenspielsystem; die anvisierten zwei Millionen Dollar dürfte der Schwarm bald zusammentragen.


Gloomhaven, Isaac Childres, 2017.

Zwischendurch erschien eine digitale Version von Asmodee Digital und Flaming Fowl im Oktober 2021 für knapp 35 Euro für den PC, die ebenfalls ergänzt wurde. Damit konnte man das kooperative Abenteuer technisch eher solide als spektakulär, aber dafür inhaltlich und taktisch sehr werktreu am Bildschirm nacherleben - ideal für Leute, die nicht jedes Wochenende eine Gruppe um sich scharen können. Diese Brettspiel-Umsetzung erscheint am 18. September 2023 für PS4/5, XBS und Switch; ohne die Löwenerweiterung für 40, ansonsten für 50 Euro. Auf der gestrigen Nintendo Direct wurde sie mit diesem Trailer angekündigt:



Für wen lohnt sich jetzt welche Variante? Gleich vorweg: Das ist ein Dungeon-Crawler, der vor allem vom kreativen Kampfsystem samt Kartentaktik sowie dem Getüftel um die richtige Position lebt. Ich hab das damals vor allem solo am Tisch gespielt, um zu sehen, wie weit ich in den teils knackigen Gefechten komme und wie sich die Klassen mit ihren exklusiven Decks entwickeln. Zwar ist der erzählerische Rahmen der Fantasywelt okay, aber das ist kein Rollenspielepos für Liebhaber guter Geschichten. Mit klassischen CRPG wie Pillars of Eternity, Divinity: Original Sin oder Wasteland 3 ist das qualitativ nicht zu vergleichen.


Es gibt eine Kampagne mit Weltkarte, Questentwicklung & Co rund um die Söldner, aber die Qualität der Texte sowie Aufgaben ist doch recht bescheiden, da gibt es deutlich stimmungsvollere Brettspiele. Vieles wirkte schon am Tisch so, als hätte Childres versucht, modulares Videospielflair nachzuahmen. Ich würde auch widersprechen, wenn es manchmal als bestes Brettspiel aller Zeiten bezeichnet wird, denn dafür hatte es - bei aller lobenswerten Kreativität innerhalb der Kampftaktik - für mich als Pen&Paper-Rollenspieler zu viele Schwächen.


Es wundert mich daher nicht, dass man für die Neuauflage das grundsätzliche Spielprinzip übernimmt, aber neben neuen Klassen quasi alle Missionen in den Szenarien neu schreibt, um für eine bessere Balance, aber sicher auch mehr erzählerische Stimmung zu sorgen. Letztlich weiß Isaac Childres nach sechs Jahren an Feedback natürlich, was man en detail besser machen kann. Daher wäre mein Ratschlag für alle Einsteiger: die Neuauflage von 2024 abwarten, wenn ihr auf dem Tisch starten wollt.


Wie sich die Konsolenversion am 18. September auf PS5 schlägt, werde ich (hoffentlich) in einer Rezension oder Breitseite erläutern können. Dann werde ich auch näher auf die Vorzüge des Kampfsystems eingehen. Ich würde auf Spielvertiefung gerne mal die deutsche Version von Frosthaven vorstellen, die noch Ende 2023 erscheinen soll, aber vermutlich erstmal lange Zeit vergriffen ist.


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4 Kommentare


David Maurer
David Maurer
23. Juni 2023

Ganz ehrlich, als Fan der Reihe würde ich Neueinsteiger*innen am ehesten zu "Pranken des Löwen" (auf englisch häufig deutlich günstiger erhältlich "jaws of the lion", komische Übersetzung) raten. Das beinhaltet die hervorragende Mechanik des Originals in kompakter Form (sowohl Gewicht als auch Umfang) und unterhält ebenfalls für sehr viele Abende solo oder in der Gruppe. Die digitale Version ist nett, aber als langjährigen Brettspiel Enthusiasten konnte mich (außer tabletop simulator) bislang keine Brettspiel "versoftung" so richtig von der Haptik der physischen Version weglocken.

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Die große Gefahr besteht, dass gerade Im September der Release zwischen Starfield, Mortal Combat, Robocop und dem Cyberpunk DLC komplett untergeht. Siehe Elex 2 zwischen Forbidden West und Elden Ring. Eine taktische Meisterleistung.

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Ja, das hilft. Bin auch nicht sicher, was man noch so schafft. Das Jahr ist eigentlich zu voll mit großen Spielen. Derzeit bindet Diablo 4 halt schon sehr. Grad in der Gruppe ist es eben doch ziemlich “geil“. Final Fantasy grätscht aktuell noch dazwischen, auch sehr sehr gut für meinen Geschmack, Zelda natürlich. Ein paar andere sitzen bereits in den Startlöchern, an den PoS will ich gar nicht denken und an die Ankündigungen von Nintendo gestern.

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