Gloomwood: Schleichen wie Garrett anno 1998

Falls ihr den letzten Podcast mit Ben gehört habt, wisst ihr, dass wir beide recht angetan von Gloomwood sind. Das PC-Spiel von Dillon Rogers und David Szymanski befindet sich seit dem 6. September im Early Access. Aber für Fans klassischer Stealth-Action lohnt sich schon jetzt ein Besuch der viktorianisch anmutenden Hafenstadt.


Gleich vorweg: Die Kulisse ist altbacken, das Figurendesign klobig, die Texturen schwammig, es gibt einige Clippingfehler - vermutlich würde hier eine Voodoo-Karte aus dem Jahr 1998 reichen. Und welches Spiel erschien in dem Jahr? Richtig: Thief aka Dark Project von Looking Glass Studios, das bis heute zu meinen zeitlosen Favoriten gehört. Gloomwood ist quasi eine Hommage an diesen Meilenstein.


Ups, da wurde jemand erwischt!

Vielleicht entsteht ja gerade aufgrund des vergleichbaren technischen Status quo recht schnell dieses smypathische Déjà-vu. Wenn man geduckt in Egosicht den aufleuchtenden Schlüssel der Wache stibitzt, sich in den Schatten verzieht, Türen aufschließt und die weitere Route plant, scheint der alte Garrett wieder unterwegs zu sein. Ein Fingerring zeigt übrigens an, ob man sichtbar ist oder nicht.


Auch das hinterhältige Töten, Leichen wegtragen sowie die kleinen Rätsel über Mechaniken sowie Physik tragen dazu bei. Gloowmood inszenziert im Einstieg einige bekannte Schleichtugenden, so dass Oberflächen unterschiedliche Geräusche machen, geworfene Gegenstände ablenken und alarmierte Wachen die Suche beginnen - auch wenn die KI hier recht verzeihlich ist und das plötzliche Verschwinden der Schatten etwas plump wirkt.


Die Karten sind nützlich; manche Schauplätze erinnern an Dishonored.

Sehr nützlich sind nicht nur das Lehnen zum Ausspähen in engen Gängen sowie das Lauschen an Türen, sondern auch die Fallen, die man auslegen kann. Man sammelt Waffen (es gibt Klingen, Harpunen, Pistolen, Gewehre), Flaschen, Artefakte & Co in einem Koffer mit begrenztem Inventar samt Raster und gespeichert wird an einem Phonographen, was ein wenig an Resident Evil erinnert. Für Orientierung sorgen ein Tagebuch mit Notizen sowie Karten, die man angesichts des angenehm verwinkelten Leveldesigns mit seinen Schächten, Tunneln, Aufzügen und Etagen auch braucht.


Schon zu Beginn gibt es kleine Rätsel: Wie kriegt man die Plattform nach unten?

Zwar strebt Gloowmoood durchaus Aspekte des Survival-Horror an, wenn man auf aufgehängte Leichen oder abgehackte Köpfe trifft. Hier wirkt manches allerdings noch unfreiwillig komisch, zumal man die Wachen relativ leicht meucheln kann, so dass mir da noch die grausige Anziehungskraft fehlt. Aber es kommen noch garstige Monster, die im Schatten lauern und die Story hat ja gerade mal angefangen; es soll erzählerisch um ein mysteriöses Grauen gehen, das die im Nebel gefangene Stadt heimsucht.


Ich wurde bisher jedenfalls gut unterhalten und bin gespannt, wie sich Gloomwood bis zum Release entwickelt. (Bilder: Gloomwood, PC, eigene Aufnahmen)


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