Meine Lieblingsspiele des Jahres 2021: Platz 9 bis 7

Ich hab lange überlegt, ob ich zum Ende dieses Jahres noch einen Rückblick auf meine Lieblingsspiele anbieten soll. Aber nachdem wir über die Feiertage viel gespielt und auch darüber diskutiert haben, was z.B. ein Death's Door besser macht als ein Kena: Bridge of Spirits, oder warum The Forgotten City in besonderer Erinnerung blieb, habe ich mich dazu entschieden, die besten neun Spiele zu küren - ohne Genre wild durcheinander. Warum gerade neun? Tja, warum nicht...es ist immerhin eine magische Zahl. Für Unterstützer gibt es dieses Special übrigens auch zum Hören auf Steady.


Die einzige Voraussetzung für eine Platzierung: Ich muss die Spiele ausführlich genug gespielt haben. Deshalb fehlen u.a. Deathloop oder Horace, für die ich bis jetzt keine Zeit gefunden habe. Und weil ich Hades, Sunless Skies oder Disco Elysium schon aus den letzten Jahren kannte (2021 war ja das Jahr der Umsetzungen), werden sie ebenfalls nicht berücksichtigt. Auch Early Access und Erweiterungen lasse ich weg, sonst hätten es Darkest Dungeon 2 und vor allem Ghost of Tsushima in diese Liste geschafft.


Platz 9: Kena: Bridge of Spirits (PC, PS4, PS5)


Extra aufbewahrt für die Feiertage, kommt mein Eindruck zu Kena quasi frisch vom Schirm. Ich hatte anfangs meine Probleme mit den Figuren sowie der Geschichte, die manchmal knapp an der Grenze zum Disney-Kitsch vorbei schrammt. Die reife Stimme passte nicht zur jugendlichen Heldin, die Geschwisterkinder sind ganz schlimm designt, die Dialoge sorgen für Zahnschmerzen. Nicht falsch verstehen: Ich mag Märchen! Ich liebe LittleBigPlanet! Aber hier wirken Story- und Artdesign sehr kulleraugennaiv - da waren sich übrigens alle in der Familie trotz Weihnachtsstimmung einig. Gerade angesichts des schamanistischen Themas hätte ein reiferer Stil à la Prinzessin Mononoke besser gepasst...


Dafür sind die Masken sowie einige Monster cool designt. Und im Gegensatz zum schrecklichen Biomutant kann sich dieses Abenteuer auch erzählerisch fangen, weil es nicht noch mit dem pädagogischen Zeigefinger wedelt. Dass es irgendwann richtig Spaß macht, liegt aber an ganz anderen Stärken: nämlich jenen in der Erkundung der idyllischen Landschaft, im taktischen Kampf sowie den abwechslungsreichen Rätseln sowie akrobatischen Herausforderungen. Außerdem schaltet man über Fähigkeiten neue Wege frei, beamt sich bei toller Aussicht von Blume zu Blume, schlittert durch Schluchten oder kraxelt à la Uncharted. Nichts davon erreicht große Klasse, aber alles zusammen sorgt für Unterhaltung mit schönen Momenten. Manche davon erinnern ein wenig an Ghost of Tsushima, wenn man Fährten im Wind folgt oder an heiligen Plätzen meditiert.


Da steckt zudem einiges an Anspruch in diesem vermeintlich auf putzig getrimmten Abenteuer, darunter durchaus knackige Bosse. Zwar wiederholen sich manche Abläufe, gerade die Arenakämpfe, das Sammeln der Hüte wirkt überflüssig und die Heldin lässt sich nur leicht entwickeln. Aber die Welt ist angenehm groß, bietet versteckte Winkel, es gibt einige sehr ansehnliche Höhlen, prächtige Wälder und die Kobolde muss man einfach mögen - zumal sie für etwas Pikmin-Flair und damit kreative Impulse sorgen: Man kann sie aktiv in Gefechten sowie Rätseln einsetzen, die auch mal cleveres Kombinieren verlangen. Hier waren sich übrigens alle wieder einig, dass diese kleinen Stars des Spiels putzig sind - selbst mit Pilzmützen! Unterm Strich ist Kena ein gutes Action-Adventure, das ich am Ende deutlich mehr mochte als nach den ersten zwei Stunden.


Platz 8: Inscryption (PC)


Falls ihr mal wirklich innovative Kartentaktik à la Magic: The Gathering sucht, kann ich Inscryption wärmstens empfehlen. Auch wenn es auf dem Spielbrett selbst mit seinen Figuren, Kontern & Co sowie dem Deckbau rein spielmechanisch nicht viel anders macht, inszeniert es das Ganze als ebenso markantes wie morbides Horrorerlebnis in einer "widerlichen Hütte". Das gelingt Daniel Mullins Games (The Hex, Pony Island) trotz technisch reduzierter, aber hinsichtlich des Artdesigns angenehm markanter Präsentation deshalb so gut, weil sie zum einen mit dem Spieler spielen.


Nicht nur der finstere Mann redet mit einem und entwirft z.B. eine persönliche Todeskarte, so dass man sich wie das geweihte Opfer in einem schlechten Traum mit einem Dämon fühlt. Auch die Figuren auf den Karten, wie das Hermelin, reden mit euch! Sie reagieren aber nicht nur schnöde auf Monster auf der Gegenseite, sondern deuten Gefahren an und geben hilfreiche Tipps - plötzlich ist z.B. die Rede von Flucht oder von Codes im Regelbuch, die einem helfen könnten. Viel zu selten nutzen Spiele diese Möglichkeit der gezielten Interaktion, die natürlich umgehend für Identifikation sorgen kann - weil man sich "angesprochen" fühlt.


Zum anderen besteht dieses Spiel aus der Erkundung des gruseligen Hauses. Kann man entkommen? Aus der Hütte fliehen? Wer ist der Typ mit den durchdringenden Augen überhaupt? Öffnen diese Codes eine Tür? Er hat es jedenfalls nicht gern, wenn man aufsteht und alle finsteren Ecken seines bizarren Zuhauses in Egosicht durchsucht, in dem allerlei Geräte, Kisten und Apparate warten. Für manches braucht man Zahlen, für anderes Schlüssel oder Gegenstände. So entwickelt man stückweise sein Deck und lüftet Geheimnisse bei gruseligem Adventure-Flair, das auch Freunden von E.A. Poe und H.P. Lovecraft gefallen könnte. Auch wenn man hinsichtlich der Story gegen Ende einige Abstriche machen muss, das Horrorflair irgendwann schwindet und manches recht begrenzt designt ist: Inscryption ist ein kreatives und gutes Spiel, das man spät abends bei Kerzenlicht zocken sollte.


Platz 7: Old World (PC)


Hätte man mich Anfang des Jahres gefragt, auf welches Strategiespiel ich mich besonders freue, hätte ich vermutlich Age of Empires IV und ziemlich sicher Humankind genannt. Mit Ersterem liefert Relic genau das ab, was ich erhofft hatte: eine Modernisierung meines geliebten Age of Empires II - mit einigen netten Zusätzen im spielmechanischen Detail, wie etwa die Pfähle der Langbogenschützen. Jedenfalls spielt sich das wie ein angenehmes Déjà-vu, nur dass ich bisher nur ein paar Schlachten gegen die KI absolvieren konnte. Vielleicht werde ich da noch eine Rezension anbieten, zumal es ja direkte historische Einleitungen in Form realer Filme gibt - wie etwa zur Schlacht von Hastings.



Obwohl ich die Amplitude Studios sehr schätze und über hundert Stunden in Endless Space 2 verbracht habe, konnte mich Humankind trotz interessanter Ideen nicht so fesseln wie erwartet. Um es kurz zu machen: Es war mir tatsächlich zu steril und auf Dauer zu beliebig. Ich hab ihm mehrmals Chancen gegeben, aber viel lieber Old World von Mohawk Games gespielt - auch weil es gemütlicher, stimmungsvoller und "intimer" wirkte. Zwar orientiert es sich in vielen Bereichen am Klassiker Civilization, aber erweitert das 4X-Prinzip um den Aufbau einer Dynastie, was wiederum an Crusader Kings erinnert. Hinzu kommt das Brettspielflair sowie die sinnvollen Ideen in der Steuerung. Warum ich diese Mischung sehr schätze, habe ich in einer Rezension erläutert. Old World ist jedenfalls ein sehr gutes Spiel - und wäre mein Strategiespiel des Jahres.