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Sony holt Luft, Nintendo rollt aus

Kurz vor der Tokyo Game Show (21. - 24. September), von der ich mir in naiver Vorfreude nicht weniger als einen Blick auf das neue Spiel von Fumito Ueda und genDesign erhoffe, präsentierten die beiden Konsolen-Dinos aus Japan ihre kommenden Spiele. Der State of Play und der Nintendo Direct merkte man an, dass hinter den Kulissen schon Größeres vorbereitet wird. Denn obwohl das Weihnachtsgeschäft naht, fehlten spektakuläre Ankündigungen oder überraschende Highlights, die man nicht auf dem Schirm hatte. Allerdings habe ich auch nichts anderes erwartet.


Sony muss nach all den erfolgreichen Jahren mit Hits aus eigenen Studios erstmal Luft holen. Nicht nur weil der wilde Schlagabtausch mit Microsoft rund um den Activision-Blizzard-Deal schlechtere strategische Karten sowie einen stärkeren Wettbewerber für die Zukunft bringen dürfte. Sondern auch, weil man genau in diesem Kontext die zweite Welle exklusiver Qualität sehr sorgsam vorbereiten muss. Dazu gehört nicht nur die prominente erste Garde mit Naughty Dog, Sony Santa Monica und Guerrilla Games, hinzu kommen ja die neuen Projekte von Sucker Punch, Bend, Team Asobi, Bungie, Bluepoint, Housemarque und vielen anderen.


Wird sich der neue Fokus auf mehr Live-Service-Games auszahlen? Schlagen die neuen Marken tatsächlich ein? Oder wollen die Leute doch nur mehr Abenteuer wie ein The Last of Us 3 oder Ghost of Tsushima 2? Kann Sony die Qualität in der Breite für Solisten langfristig finanzieren? Und wie schneiden die eigenen Spiele ab, wenn in den nächsten zwei Jahren Microsofts erste Welle heranrauscht, für die Starfield erst der Auftakt war und hinter der mittlerweile auch über 20 Studios arbeiten, Tendenz eher steigend? Es ist natürlich nicht so, dass Sony gar nichts mehr anzubieten hat. Auch für PSVR2 kommen einige Spiele von Ghostbusters bis Resi 4, das auch klassisch per DLC erweitert wird. Und da schwingt bekanntlich am 20. Oktober ein Marvel's Spider-Man 2 von Insomniac durch New York.



Ich mag die Spinne, aber mich reizt tatsächlich nichts an dieser offenen Welt und der Action, weil mich der Vorgänger mit seiner Art von Spiel zu schnell so satt gemacht hat, dass ich es nicht beendet habe. Viel eher freue ich mich auf das kommende Projekt des Studios: Wolverine. Zumal das die letzte Marvel-Reihe ist, die ich noch ab und zu lese. Ich rase jetzt mal weiter durch, denn Helldivers 2 sowie Ghostrunner 2 lassen mich komplett kalt. Und so richtig skeptisch bin ich bei Avatar: Frontiers of Pandora.



Ich bin grundätzlich kein großer Freund dieser blauen Alienart. Und so sehr ich Massive Entertainment alter Zeiten wegen schätze, erwarte ich auch angesichts der Ubisoft-Tradition eine Art Far Horizon Cry, dessen Dschungelpracht recht schnell in gewöhnlicher Action versiegt. Vielleicht ist das vorschnell. Aber als das Geballer gegen Mechs losging, hatte ich keine Lust mehr auf das Abenteuer. Auch die Schweden haben bekanntlich mit Star Wars Outlaws weit Interessanteres im nächsten Jahr anzubieten - für sie ist das ebenfalls nur ein Zwischenschritt.


Und Nintendo? Rollte sein buntes Portfolio in gewohnter Routine aus und füttert nimmersatte Nostalgiker mit diversen Neuauflagen zu Paper Mario, Contra, F-Zero, Luigi's Mansion, Another Code und selbst Tomb Raider. Mein Geheimtipp, ohne technische Gewähr: Mein hoch geschätztes Wartales ist auf Switch erhältlich, falls ihr mittelalterliche Fantasy-Taktik mögt - hier geht es zur Rezension.



Viel wichtiger ist, dass Nintendo kurz davor steht, die Switch in der Garage zu parken und ihren Nachfolger endlich rauszufahren, vermutlich im Frühling 2024. Die Switch 2 wurde auf der Gamescom hinter den Kulissen gezeigt und wird technologisch (vermutlich mit Nivida-Chips) an aktuellere PC-Hardware anknüpfen, damit sich sowohl Metroid Prime 4 als auch kommende Zeldas ohne Limitierungen entfalten können. Erstmal wird es wohl Remaster für Breath of the Wild und/oder Tears of the Kingdom geben.


Wenn man die Shows für PlayStation 5 und Switch zusammen nimmt, war natürlich für jeden irgendwie etwas dabei. Ein klein wenig neugierig macht mich als Rundentaktiker z.B. Unicorn Overlord, das am 8. März von Atlus für Switch kommt:



Aber es wird einfach so viel Bekanntes erweitert, fortgesetzt und recycelt. Auch da gibt es natürlich Unterschiede: Final Fantasy VII Rebirth, das am 29. Februar auf zwei (!) Discs erscheint...



....ist ebenso wie das Super Mario RPG, das als Remake am 17. November auf Switch startet, spielkulturell interessant für mich. Aber beide stehen in meiner Priorität nicht weit vorne.



Die Liste der Spiele, die ich zocken will, muss auch gar nicht länger werden, man denke alleine an diese zwölf Geheimtipps für Rollenspieler. Dieses Schleppnetz ist schon rappelvoll mit kleinen und großen Fischen, von Chained Echoes über Chants of Sennarr bis Holstin, von Book of Hours über A Highland Song bis Songs of Conquest, von Citizen Sleeper 2 und Esoteric Ebb über Broken Roads bis Warhammer: Rogue Trader, von Lords of the Fallen und Banishers über The Invincible bis Alan Wake 2, Starfield und Cyberpunk 2077 warten auch noch irgendwo in Zeitlöchern. Aber ganz weit oben, hoffentlich am Ende des Jahres, steht als rätselreicher Abschluss: The Talos Principle 2. Spätestens bis dahin möchte ich wohlbehalten aus den Abgründen von Baldur's Gate 3 empor steigen...das erste Kapitel auf PlayStation 5 ist jedenfalls geschafft, hurra! Damit kann der erste Teil der Rezension beginnen.


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