Das Kojiki, die Unterwelt und Trek To Yomi

Als ich über das Wochenende endlich mit Trek To Yomi auf der PlayStation anfangen konnte, bin ich zwei legendären Gestalten begegnet. Sie traten nicht als digitale Figuren auf, aber in einem Gespräch zwischen zwei Banditen ging es um die Liebe zu einer Frau. Einer der beiden verwies dabei auf die Geschichte des göttlichen Paares Izanagi und Izanami. Er wollte seinen verknallten Kumpel darauf hinweisen, dass Frauen irgendwann ihre Schönheit verlieren und den Mann in die Flucht schlagen - natürlich verkürzte er den Ablauf, aber im Kern trifft er zu.


Jedenfalls hat mich Trek To Yomi wieder dazu gebracht, die Stelle im Kojiki nachzulesen, der berühmten Sammlung mythologischer und historischer Geschichten aus dem 8. Jahrhundert. Wenn man es vereinfacht, ist das Kojiki so etwas wie die Edda der Japaner, in der es auch um die Entstehung der Welt sowie die Götter geht. Wie so oft gibt es da einige Parallelen zu anderen Kulturen und Schöpfungsmythen. Trotzdem ist die japanische Überlieferung sehr interessant und in ihren Aussagen bis heute kulturell relevant, gerade im Shintoismus.


Aber zu der Stelle: Als die Geschwister Izanagi und Izanami die Inseln sowie andere Götter quasi nach dem ersten Sex aus dem Meer erschaffen, kommt es bei der Geburt des Feuergottes zur Tragödie, denn er verbrennt Izanami so stark, dass sie stirbt. Daraufhin gelangt sie als Herrscherin in die Unterwelt, die man übrigens als Spieler in Trek To Yomi besucht - das Jenseits wird ja Yomi genannt. Im Gegensatz zur christlichen Hölle landen dort allerdings alle Toten, man braucht also keine moralische Schuld, um das Ticket zu lösen.



Trotzdem ist es dort so dunkel und trostlos, dass Izanami letztlich ihre Schönheit verliert. Aber Izanagis Liebe bleibt bestehen: Nachdem er den Feuergott aus Rache erschlägt, eilt er zu ihr hinab und ignoriert ihre ausdrückliche Bitte, sie nicht anzusehen. Izanagi entzündet also Licht und weckt damit den ewigen Zorn seiner Schwester, die mittlerweile zu einem faulenden Zombie mutiert ist und ihn mit ihren Dämonen verfolgt. Er kann gerade so fliehen und den Weg in die Hölle mit einem Felsen versperren. Aber ab jetzt sind Leben und Tod als getrennte Prinzipien in der Welt...


Nach seiner Flucht wäscht sich Izanagi in einem Fluss, so dass die drei berühmtesten japanischen Götter entstehen: Amaterasu (Sonne), Tsukiyomi (Mond) und Susanoo (Stürme). Falls euch das neugierig gemacht hat und ihr mehr über das alte Japan erfahren wollt, kann ich euch die akademisch gepflegte Webseite Kamigraphie mit ihren sehr gut recherchierten Artikeln und natürlich die deutsche Ausgabe von Klaus Antoni empfehlen: Kojiki – Aufzeichnung alter Begebenheiten, Suhrkamp, 2012. Ich werde noch etwas tiefer in die Unterwelt von Trek To Yomi abauchen und melde mich bald mit der Rezension.