Dune: Spice Wars: 4X-Strategie in Echtzeit

Für Taktiker und Strategen wird die Auswahl immer größer: Aktuell konzentriere ich mich auf die Rezension von Galactic Civilizations IV, der 4X-Strategie von Stardock, die seit gestern erhältlich ist. Aber ich konnte auch kurz in den Early Access von The Iron Oath reinschnuppern, in den jetzt ebenfalls Dune: Spice Wars gestartet ist. Tja, als Freund des Wüstenplanets (Frank Herbert, 1966) musste ich mir das mal ansehen...


Dabei hatte ich die Echtzeit-Strategie von Shiro Games zunächst gar nicht auf dem Schirm. Die Entwickler aus Bordeaux haben u.a. mit der Aufbaustrategie Northgard überzeugen können und mit Wartales ein weiteres interessantes Fantasy-Abenteuer in der Mache. Natürlich ist Dune: Spice Wars angesichts der Marke und des Kinofilms, dessen zweiter Teil 2023 starten soll, das populärste und ambitionierteste Projekt der Franzosen.


Vier Fraktionen stehen zur Wahl, weitere sollen folgen.

Das merkt man dem Spiel durchaus an, das vom Start weg stimmungsvoller und professioneller inszeniert wirkt als die bisherigen Titel: Es gibt eine ansehnliche Landschaft mit Tag- und Nachtwechsel, einige nette Stürme, dazu kompetentes Menüdesign. Trotzdem darf man visuell nicht zu viel erwarten: Das Artdesign ist recht generisch, die Gebäude wirken fade, die Gefechte sind hinsichtlich der Animationen keine Hingucker und selbst wenn ein Sandwurm einen Spice-Ernter schluckt, fällt man nicht gerade vor Ehrfurcht in Ohnmacht. Da gab es früher schon ganz andere Kaliber für Strategen, die den PC mal forderten...


Man muss sich clever über Gebiete ausbreiten.

Aber in diesem Genre zählen auf lange Sicht die inneren Werte. Und die sorgen jetzt schon für unterhaltsame Strategie, die sich darum bemüht, mit einigen Details der berühmten Romanwelt gerecht zu werden. Schon bei der Eroberung des ersten Dorfes und dem Aufbau von Fabriken bemerkt man, dass die unwirtliche Natur eine Rolle spielt: Man kann seine Soldaten nicht endlos lang durch die Wüste hetzen, Wasser ist lebenswichtig und wenn der Boden bebt, sollte man alles in Sicherheit bringen. Außerdem verlangt der Kaiser irgendwann einen Anteil an der Ernte des kostbaren Spice.


Ein Sandwurm kündigt sich über ein Beben an...

Was mir neben dem frühen Zwang zur Balance aus Ertrag und Produktion zudem gut gefällt, ist der Versuch, den politischen Machtkampf zwischen den bisher vier (es sollen weitere folgen) Fraktionen Atreides, Harkonnen, Schmuggler und Fremen über mehr als nur Kampf abzubilden: Man kann nicht nur untereinander handeln und dipomatische Vereinbarungen treffen, sondern ein Netzwerk mit Agenten aufbauen, die vielfältig einsetzbar sind - entweder für die kleine Erpressung, die Infiltration eines Hauses oder die Gegenspionage. Hinzu kommen regelmäßige Abstimmungen in einem Rat über Gesetze, die sich direkt auf die Kosten für Soldaten, die Ernte oder Wechselkurse von Spice und Geld auswirken können.


Agenten lassen sich vielfältig einsetzen.

Steuerung sowie Benutzeroberfläche hinterlassen einen sehr sauberen und durchdachten Eindruck. Auch wenn man viele Symbole und Icons erstmal verinnerlichen muss, geht das nach den kurzen Tutorialhinweisen recht flott. Einiges an Klicks könnte man vielleicht noch entschlacken, aber es gehört auch zum erwähnt ungewissen Spielgefühl, dass man des Öfteren alarmiert oder über Funde informiert wird, so dass man zwischen Orten hin und her wechselt.


Eine Siedlung mit Spice? Wird garantiert angegriffen...

Noch befindet sich Dune: Spice Wars im Early Access, hat einige kleine Macken, dürfte Geländetaktiker mit seinen simplen Manövern eher enttäuschen und ich habe letztlich zu wenig gespielt, um die Kämpfe, die Diplomatie oder die Fraktionen nachhaltig einschätzen zu können. Etwas Großartiges lauert hier nicht im Wüstensand, aber wer diese Science-Fiction-Welt und Echtzeit-Strategie mag, die sich nicht nur über Zerstörung definiert sowie etwas anspruchsvollere Planung verlangt, könnte schon jetzt gut unterhalten werden.


(Bilder: Dune: Spice Wars, PC, eigene Aufnahmen)