Ein kleines Feuerwerk in der Ferne

Habt ihr es gesehen, das Leuchten und Blitzen in der Ferne? Auch wenn die Welt in der nächsten Welle der Viren, wenn um einen herum wieder alles in Trägheit und Tristesse zu versinken droht, sind da am Horizont immer diese Spiele. Und das ist eine schöne Konstante. Zwar konnten die Game Awards kein spektakuläres Feuerwerk entfachen. Aber zumindest darf man festhalten, dass es auch dieses Jahr einiges an Kreativität zu feiern sowie hoffnungsvolle Ausblicke auf die Zukunft gibt.


Sehr verdient waren die drei Auszeichnungen für It Takes Two (PC, PS4, PS5, One, XBS) von Hazelight: Multiplayer- , Familien- und sogar Spiel des Jahres! Auch wenn das starke Deathloop sicher sehr gute Chancen auf letzteren Award hatte: Immerhin konnte es ebenfalls in zwei Bereichen gewinnen, nämlich Game Direction (dem stimme ich zu) und Artdesign (dem stimme ich nicht zu).


Aber im Vergleich zu den weiteren Nominierten Ratchet & Clank: Rift Apart, Metroid Dread, Psychonauts 2 und Resident Evil Village konnte It Takes Two deutlich frischere Akzente setzen. Das kooperative Action-Adventure beruht nicht auf einer etablierten Reihe, überzeugt durch seinen erzählerischen Charme und sein direktes sowie verblüffend vielseitiges Spiel. Es gibt keinen Firlefanz, keinen Aufstieg, keine Punkte und - auch das tut mal richtig gut - keine Seelen. Die schwedischen Entwickler treffen diese magische Mitte, in der Veteranen und Neulinge zusammen Spaß haben können. Falls ihr ein Familienspiel für Weihnachten sucht, bei dem auch die Kids mitmachen oder zusehen können, dann empfehle ich dieses kreative Schmuckstück aus dem Hause...wer hätte das gedacht... Electronic Arts.


Besonders gefreut hat mich, neben dem Award für Metroid Dread als bestes Action-Adventure, jedoch die Auszeichnung bestes Action-Spiel für Returnal (PS5). Warum? Weil ich sehr viel mit diesem Studio verbinde. Und weil zu befürchten war, dass Housemarque sich von der Arcade-Action mit Spielen von Super Stardust bis Matterfall trennt, um sich scheinbar lukrativeren MOBA & Co anzubiedern. Das war in den letzten Jahren nicht einfach für das Studio: die Veteranen wie ich feiern die Spiele, aber sie verkaufen sich nicht gut genug. Was war ich erleichtert, als mich dieses Returnal dann so mächtig in die Couch beamte, das ich mir wie in einer Spielhalle 2.0 vorkam: einerseits knüpften sie damit an die von mir so geliebte Tradition an, indem man ein buntes Feuerwerk zum Ausweichen mit Komboflow inszenierte. Andererseits katapultierte man das Abenteuer visuell und erzählerisch in eine - für die Finnen - neue und damit hoffentlich für mehr Spieler interessante Dimension. Aber Kompromisse? Keine! Eine ganz große Leistung.


Mein Spiel für Weihnachten wird jedoch Kena: Bridge of Spirits (PC, PS4, PS5). Das ist im Trubel der letzten Monate an mir vorbei gehüpft, aber ich war schon nach den ersten Szenen damals sehr neugierig und hätte es gerne besprochen. Dieses charmante Action-Adventure konnte sich als "Bestes Indie- Debüt" und "Bestes Indiespiel" gegen starke Konkurrenz durchsetzen: 12 Minutes ist in seinen kurzen Zeitschleifen durchaus unterhaltsam, aber nicht mehr. Inscryption stelle ich hier vielleicht noch vor, denn es spielt als ungewöhnlich inszenierte Kartentaktik auch psychologisch mit dem Spieler - samt etwas Gruselflair. Loop Hero macht in den ersten Durchgängen Laune, hat mich dann nicht lange fesseln können. Aber Death's Door ist ein anderer Schnack: das spiele ich aktuell - und die kleine Krähe sorgt für gnadenlose Unterhaltung mit schönen Zelda-Schwingungen. Ich bin noch nicht weit, aber es füllt aktuell die atmosphärische Lücke, die das (viel zu lange) Warten auf Hollow Knight: Silk Song hinterlässt. Noch überlege ich, ob ich es lieber für Weihnachten liegen lasse...


Nicht unerwähnt lassen möchte ich den Award für Age of Empires IV (PC) als bestes Strategie-Spiel: Ich wollte da unbedingt eine Besprechung samt historischer Betrachtung anbieten. Aber ich weiß nicht, ob ich es dieses Jahr noch schaffe - es gibt so viel administrativen Kram. Was ich weiß ist, dass ich den Ansatz der historischen Dokumentation innerhalb der Serie gut finde und dass mir die englischen Langbogenschützen mit ihren kleinen (meist nicht sehr effizienten) taktischen Manövern richtig Spaß machen. Das Team von Relic Entertainment renoviert letztlich das Prinzip des von mir über ein Jahrzehnt (!) sehr geschätzen Age of Empires II: The Age of Kings . Mann, hab ich das lange gezockt.



Aber schade ist, dass Old World (PC) in der Nominierungsliste dieses Genres fehlte, denn das sehe ich als 4K-Strategie qualitativ vor Humankind - das Spiel von Mohawk Games verbindet Elemente aus Civilization mit den dynastischen Prinzipien eines Crusader Kings. Auch deshalb möchte ich es hier unbedingt noch besprechen! Immerhin gibt es einen Anlass, wenn es nicht nur für Epic, sondern auch Steam erscheint.


Apropos Ziele in der Ferne und verpasste Chancen: Zwar war Forgotten City (PC, PS4, PS5, One, XBS, Switch) bei den Game Awards in der Kategorie "Best Debut Indie" nominiert, aber das hätte ich in zwei, drei Kategorien vorne gesehen! Es ist unheimlich schade, dass dieses erzählerische Kleinod keinen Award bekam. Gerade für historisch Interessierte und Freunde überraschender Ereignisse dürfte der Abstecher in den dämonischen Untergrund der Antike ein tolles Erlebnis bieten. Es fühlte sich an wie ein modernes Planescape Torment. Arghs, dieses verflixte Jahr 2021 - ich hab es auch noch nicht besprechen können...



Ich konnte nicht alle 30 Preisträger durchgehen und ein Ausblick auf die neuen Ankündigungen fehlt, aber natürlich kann ich diese Erkundung nicht ohne den letzten Award für ein Spiel ausklingen lassen, auf das sich die halbe Welt freut: Elden Ring. Es gab einen neuen Trailer, der mit seinem Fokus auf die erzählerische Ausgangslage so richtig Lagerfeuerstimmung entfachen konnte. Dass From Softwares Abenteuer in der Kategorie "Most Wanted" vor Kalibern wie Horizon: Forbidden West, Starfield, The Legend of Zelda: Breath of the Wild 2 und God of War: Ragnarok lag, hat natürlich auch damit zu tun, dass es von allen Titeln am meisten offenbart hat - immerhin konnten es Zehntausende im Netzwerk-Test spielen. Und sie waren, mich eingeschlossen, sehr angetan. Aber hinzu kommt, dass es trotz offener Türen auch noch so viele Geheimnisse in sich zu bergen scheint - hier der aktuelle Trailer:



Egal was da draußen noch mutiert: Das Spielejahr 2022 wird ein sehr gutes - ich freu mich auf die Reise mit euch!