Meine Lieblingsspiele des Jahres 2021: Platz 3 - 1 (jetzt auch zum Hören)

Meine drei Favoriten waren schnell gefunden - schon bei der Aufnahme zum aktuellen Podcast mit Matthias Schmid hab ich sie genannt und genau so platziert. Wobei interessant ist, dass wir als zwei unterschiedliche Spielertypen tatsächlich mit The Forgotten City denselben zweiten Platz gewählt haben. Falls ihr wissen wollt, warum Horace sein Favorit war und wir beide noch immer schlecht von Biomutant träumen: In der neunten Folge "Auf einen Whisky" blicken wir zurück auf 2021. Für Unterstützer gibt es dieses Special auch zum Hören auf Steady. Euch allen ein frohes Neujahr!



Platz 3: Metroid Dread (Switch)


Zwar konnte Nintendo (wie viele andere) in diesem Jahr nicht das ganz große Kino anbieten, denn The Legend of Zelda: Breath of the Wild 2 wird erst im kommenden Winter erscheinen. Aber ich habe mich sehr über Metroid Dread für Switch gefreut. Das spanische Team von Mercury Steam hat zusammen mit Yoshio Sakamoto ein Spiel entwickelt, das der Tradition der Klassiker treu bleibt und gleichzeitig frische Impulse setzt - so dass auch spielhistorisch ein Kreis geschlossen wird: Denn mit dem Horrorflair sowie dem Schleichen im Angesicht außerirdischer Monster knüpft man direkt an Alien (1979) von Ridley Scott an, also genau den Film, der 1986 das erste Metroid auf dem NES inspiriert hat.



Und weil nicht nur diese Idee sehr gut ist, sondern auch die Spielmechanik sowie das Level- und Artdesign in nahezu jeder Hinsicht überzeugen, kann man dieses futuristische Abenteuer so richtig genießen: Es wabert, es wummert, es blitzt und dampft, während man elegant animiert durch toll designte Korridore jagt, bis ein fauchendes Monster den Bildschirm füllt. Metroid Dread ist hart, aber fair und serviert ein zeitlos motivierendes Kampf- und Belohnungssystem: kein Klimbim, kein Crafting, sondern Fähigkeiten, die direkt helfen und coole Konter. Auch wenn der Schrecken vielleicht etwas zu früh verfliegt, man auch mal feststecken kann und die Story nur Nebensache ist: Dieses Spiel ist ein kleines Schmuckstück für die Switch und eines der besten 2D-Spiele seiner Art. Samus Aran hat mich - wie so oft - klasse unterhalten! Und es ist schön zu wissen, dass die Lady bald wieder anklopft. Hoffentlich schon 2022.


Platz 2: The Forgotten City (PC, PS4, PS5, One, XBS, Switch)


Planescape Torment gehört für mich zu den zehn besten Rollenspielen aller Zeiten. Und es hat sehr viel, vor allem sehr viel Wichtiges mit The Forgotten City gemeinsam - trotz unterschiedlicher Szenarien und Spielmechaniken. An erster Stelle ist da die erzählerische Klasse: Das ist endlich mal wieder ein Abenteuer, das zum Nachdenken und Diskutieren einlädt! Auch über moralische, politische und religiöse Fragen, über all die Graustufen zwischen Gut und Böse. Nicht auf einem abstrakten Niveau, sondern im Alltag einer Lebensgemeinschaft, die als verfluchtes Kollektiv bei der kleinsten Gesetzesübertretung eines Einzelnen zum Tode verurteilt wird.


Während man der Ursache dieses Mysteriums nachspürt, erfährt man nebenbei auch etwas über die historischen Entwicklungen der Antike - etwa die Wanderung und Wandlung der Götter von Ägypten über Athen bis Rom. Es gibt zwar einige spröde Ecken und Kanten in der Steuerung, der Akrobatik sowie manchen Menüs. Und man merkt der Kulisse an, dass sie auf der betagten Engine eines The Elder Scrolls V: Skyrim beruht. Aber wer sich in diese unterirdische antike Stadt begibt, wird eine der interessantesten und überraschendsten Geschichten der letzten Jahre erleben, die nicht nur von ihren glaubwürdigen Charakteren und vollkommen überraschenden Situationen lebt, sondern auch davon, dass man diese sowie das Schicksal in mehreren Enden beeinflussen kann. Ich habe mir fest vorgenommen, nächstes Jahr eine Rezension nachzuliefern.


Platz 1: Returnal (PS5)


Eigentlich sprach sehr vieles dafür, dass The Forgotten City mein Spiel des Jahres wird. Aber bei aller Liebe zu guten Geschichten und historischen Abenteuern: Returnal trifft noch direkter in mein Spielerherz. Das hat auch mit all dem zu tun, was ich als Kind auf dem Amiga geliebt und gezockt habe. Als ich Returnal letztens startete, war ich sofort wieder drin in diesem leuchtenden Arcade-Flow, in dieser faszinierenden futuristischen Zeitschleife.


Was Housemarque da abliefert, geht auch über das hinaus, was Mercury Steam mit Metroid Dread so gut gelingt: Die Finnen knüpfen zwar auch an eine Tradition an, aber sie verfeinern keinen Vorgänger um frische Impulse, sondern entwickeln ihre in der Pionierzeit verwurzelte Finesse viel radikaler und mutiger hinsichtlich der Spielmechanik, der Kulisse und des Storytellings. Hier beamt sich ein eher kleines Studio auf ein sehr viel höheres Niveau. Das ist schon rein handwerklich und organisatorisch eine große Leistung - und vor allem erzählerisch eine Überraschung. Denn für tolle Storys war Housemarque nicht wirklich berühmt, aber hier erzählen sie auf mehreren Ebenen, verknüpfen das Schicksal der Heldin mit den Geheimnissen eines Alien-Planeten und sorgen für Horrorflair à la P.T.!


Ich halte dieses Returnal nicht nur spielerisch, sondern auch spielepolitisch für besonders wertvoll, weil es schon so aussah, als müsste dieses begabte Studio mit seinen tollen Spielen die Segel vor der Macht des Massenmarktes streichen: Titel wie Nex Machina oder Matterfall verkauften sich einfach nicht gut genug. Das, was die alte Schule immer noch wollte, fand zu wenig Kunden. Deshalb spukte schon das Gespenst des Trends umher, das die Finnen fast zu einem Kniefall vor der lukrativen MOBA-Masse gebracht hätte. Jetzt beweisen sie, dass es manchmal viel besser ist, den eigenen Stärken zu folgen und diese mutig in etwas Neues zu verwandeln. Das Schönste ist: Dieses Returnal ist ein Neuanfang, der auch in Zukunft großartige Abenteuer erwarten lässt. Und das freut mich riesig.