Meine Lieblingsspiele des Jahres 2021: Platz 6 bis 4

Ab hier wurde es tatsächlich kniffliger, eine Reihenfolge zu erstellen, denn die Spiele von Platz 6 bis zu meinem Spiel des Jahres erreichen alle mindestens sehr gutes Niveau oder in ihrem Genre sogar außergewöhnliche Qualität. Sie alle haben mir (und meiner Familie) jedenfalls viele tolle Stunden digitaler Unterhaltung beschert. Für Unterstützer gibt es dieses Special auch zum Hören auf Steady.


Platz 6: Death's Door (PC, PS4, PS5, One, XBS, Switch)


Death's Door erschien in einer Zeit, als sich für mich gerade eine Tür schloss und ein langes Kapitel meines Lebens begraben wurde. Aber manchmal muss man durch neue Türen - ähnlich wie die tapfere Krähe in diesem wunderbaren Abenteuer. Death's Door verströmt eine ästhetische Eleganz und trotz seiner traurigen Momente einen liebevollen Humor, der es zu einem besonderen Erlebnis macht.


Was die zwei (!) Briten von Acid Nerve hinsichtlich Farben und Architektur inszenieren, ist große Kunst: Man erkundet aus der Draufsicht malerische Irrgärten, taucht aus der Helligkeit in dunkle Verliese oder stromert durch Sonnen durchflutete Ruinen. Ja, einiges wiederholt sich in der Struktur und manches wirkt etwas steril. Aber Death's Door verströmt trotz der vielen Kämpfe eine Art pastellfarbene Gemütlichkeit, die von sanften Klavierklängen und charmanten Animationen begleitet wird. Dieses Spiel fühlt sich einfach gut an. Und wenn die Blütenkobolde hinter der Krähe her hoppeln, sieht das verdammt putzig aus. Dann der Kalmar in der Taverne: klasse! Man gerät auch nicht ständig in akrobatischen Stress: Hier muss man nicht punktgenau abspringen oder Kombinationen aus Sprint und Salti hinlegen, sondern lediglich aus dem Weg rollen und auf den Pfaden bleiben. Aber das ist trotzdem kein Kinderspiel - ganz im Gegenteil! Man wird vor allem in den größeren Gefechten richtig gefordert, muss schnell reagieren und das Verhalten der Feinde genau studieren, um Bosse in mehreren Phasen zu besiegen. Auch diese sind von der Hexe mit den Glubschaugen bis zum Frosch in zu enger Rüstung hervorragend designt. Sie erinnern in ihrer skurrilen Symbiose aus Witz und Schrecken angenehm an das Artdesign von Studio Ghibli. Und es ist einfach köstlich, wenn nach einem Sieg selbst in der Trauerrede noch Scherze gemacht werden...



Zwar ähnelt Death's Door hinsichtlich Erkundung, Kampf und stückweiser Wegöffnung über neue Fähigkeiten (Feuer, Bomben, Greifhaken etc.) Spielen wie Metroid Dread & Co, außerdem erinnern die Seelen natürlich genauso an die Soulsreihe wie mancher Riesenritter. Aber wo ein Salt & Sanctuary direkt nacheifert, zitiert ein Death's Door lediglich etwas und orientiert sich neu. Das Abenteuer ist trotz seiner etwas zu arg strapazierten Arenaduelle mit Wellen an Feinden sowie fehlender Karte (manchmal irrt man umher) eher verzeihlich, bietet über die Türen schnelle Teleports und verströmt nicht nur aufgrund der Perspektive von oben nostalgisches Zelda-Flair. Es gibt leider nicht sehr viele, aber sehr schöne Geheimnisse, versteckte Wege und einige tolle Rätsel, wobei es meist um Perspektive und genaues Hinsehen geht.


Death's Door ist ein sehr, sehr gutes Spiel, das seinen ganz eigenen Charme verströmt und für mich zum Besten gehört, was man neben Hollow Knight oder Metroid Dread in diesem Genre erleben kann. Devolver Digital bewies im Jahr 2021 schon mit Inscryption sowie Loop Hero (das mich allerdings nicht so rockte) ein gutes Händchen für Independent-Perlen.


Platz 5: Ratchet & Clank: Rift Apart (PS5)


Ganz großes Kino - nicht weniger inszenierte Insomniac Games mit diesem Ratchet & Clank auf der PlayStation 5. Das war deshalb eine besondere Leistung, weil ich dieses Spielprinzip rund um den Lombax und seinen Roboter natürlich aus den Vorgängern kannte: Action, Schrauben, Weltraum, Bosse. Was soll da schon kommen? Deshalb hatte ich nicht erwartet, dass man es tatsächlich auf ein neues Niveau hieven kann. So etwas ist innerhalb einer etablierter Marke manchmal viel schwieriger als etwas Neues zu wagen. Aber genau das gelingt den Entwicklern auf einer gerade erst erschienenen Konsole. Bei aller Liebe zu kleinen Independent-Hits: Die PlayStation 5 braucht natürlich "große Abenteuer", die auch technologisch die Muskeln spielen lassen - was sich da alles gleichzeitig auf dem Bildschirm bewegt und zerlegt, teilweise noch weit im Hintergrund, ist faszinierend. Neben dem Remake von Demon's Souls sowie Death Stranding gehört dieses Spiel aktuell zum grafisch Besten auf Sonys Konsole.



Ich habe dieses Ratchet & Clank allerdings nicht mit einem Dauergrinsen genossen, weil es ein futuristisches Effektgewitter mit cooler Akrobatik inszeniert - all das sind Floskeln, die man auch den Vorgängern hinterher werfen konnte. Ich habe es genossen, weil es zum einen hinsichtlich der Abwechslung und Spielmechanik tatsächlich an Größen wie Super Mario Galaxy heranreicht. Es gibt so viele tolle Jump&Run-Passagen, so viele Rätsel und Herausforderungen, die viel Timing erfordern! Hinzu kommen die explosiven Kämpfe mit den bizarren Waffen, die taktisch und visuell einfach nur rocken, weil so viel mehr passiert als die nächste 08/15-Detonation. Und schließlich erzählt Insomniac hier auf eine viel reifere Art eine Geschichte, in der es eben nicht nur um Klamauk und Gags geht. Die gibt es auch, die sind sogar richtig cool, aber es geht auch um Freundschaft und Familie. Dabei sorgt eine viel bessere Regie als in den Vorgängern dafür, dass es auch mal ruhige Szenen gibt, dass sich charmante Figuren entwickeln und außergewöhnliche Momente entstehen können - wie etwa die tolle Szene mit dem Riesenroboter. Das hat richtig Spaß gemacht! Und ich freu mich sehr auf das nächste Spiel von Insomniac Games.


Platz 4: It Takes Two (PC, PS4, PS5, One, XBS)


Das bisher innovativste Abenteuer in dieser Liste ist sicher It Takes Two. Es wirkt in einer Zeit, in der Soulslikes und Metroidvanias wie Pilze aus dem Boden schießen, in der man in offenen Welten kämpft, erkundet - und sich manchmal zu Tode sammelt - fast exotisch. Denn dieses kooperative Erlebnis ist dermaßen reduziert auf das Wesentliche, dass man sich aufgrund der digitalen Konditionierung zunächst in allen Ecken umschaut, ob man nicht doch was finden, einstecken oder herstellen kann. Aber nein, liebe Freunde der Rucksäcke und Werkbänke: das schwedische Team von Hazelight (A Way Out) pfeift auf diese Gewohnheiten und konzentriert sich einzig und allein auf ein Spielerlebnis. Ohne Schnörkel, ohne Schnickschnack. Und das tut hier richtig gut.



Obwohl ich schon wieder verneinen muss, denn es sollte besser heißen: konzentriert sich auf Tausendundein Spielerlebnis! Denn was es an kleinen Herausforderungen in immer neuen Situationen zu meistern gilt, ist einfach nur großartig. Rein mechanisch wird nichts Neues inszeniert, vieles kennt man. Aber hier wird der Begriff "Minispiele" auch deshalb auf ein ganz neues Niveau gehievt, weil sie fast alle so unheimlich liebevoll und ideenreich designt sind, dass man selbst nach Stunden noch von Subgenres oder Tempowechseln überrascht wird. Man schlittert, rätselt, rennt, schießt, kombiniert und springt in einem unheimlich guten Rhythmus. Man fühlt sich wie in einer Spielhalle mit hundert Automaten, durch die man sich zu zweit kämpfen muss. Hinzu kommt, dass dieses Abenteuer auch so vieles aus der Welt der Videospiele nicht nur zitiert, sondern kreativ ins Design integriert - man hat quasi Déja-vus aus der Pionierzeit.



Dieses Koop-Erlebnis ist gerade für Paare ideal, weil auch nicht jeder ein Hardcore-Zocker sein muss. Man erlebt digitale Unterhaltung auf eine einfache, aber sehr stark verbindende Art, die durch die Kommunikation und Konflikte der Protagonisten noch verstärkt wird. Zwar kann die charmante, aber manchmal etwas nervige Story nicht ganz mit dem Stakkato der Spiele mithalten, aber dieses It Takes Two ist nicht weniger als eine - und jetzt zitiere ich sehr gerne Michael Krosta: "Liebeserklärung an das Medium Videospiel."