Sol Cresta im Nostalgie-Anflug

Ich habe einen (gefühlt sehr wichtigen) Teil meiner Jugend in einer Pommesbude vor einem Arcade-Automaten verbracht. Und auch wenn einige heute noch bekannte Spiele wie Track & Field, Afterburner & Co dabei waren, hat sich keines derart eingebrannt wie Moon Cresta von Nichibutsu. Sehr oft waren es Spiele aus Japan, die besondere Spuren in meiner Spielevita hinterlassen konnten - und das war eines der ersten.

Dieses Shoot' em Up erschien 1980 und zeichnete sich vor allem durch das Andocken aus: man musste millimetergenau den Schub dosieren, um seine Raumschiffe zu verbinden und so mehr Feuerkraft zu haben. Wenn man es heute spielt, es ist u.a. in den Arcade Archives des PlayStation Networks für knapp sieben Euro erhältlich, kann man diese Faszination vermutlich nicht sofort nachvollziehen. Zumal Moon Cresta im Vergleich zu all den Bildschirm verglühenden Bullet-Hell-Vertretern eher reduziert designt ist. Aber damals gehörte der Titel zu den erfolgreichsten seiner Art.


An diesem Automaten fühlte ich mich als Teenager wie Luke Skywalker und durfte zum ersten Mal erleben, welche Faszination von Hand-Auge-Koordination ausgehen kann. Es war auch verdammt cool, wenn man seine drei Kürzel in eine Rangliste eintragen durfte - die kannte dann (fast) jeder in der Straße. Dieses Erlebnis hat mich anno 2009 zu einer Kolumne namens "Der alte Pommesbudenheld" inspiriert, in der ich auf eine dramatische Highscore-Szene zwischen Fritteuse und Manta-Manni zurückblicke. Und die Liebe zu diesem Genre oder Studios wie Housemarque hat sich bis in diese Tage gehalten.


Tja, und dieses Spielprinzip kehrt bald modernisiert zurück. Zwar folgten auf Moon Cresta einige Spin-Offs und Nachfolger wie Eagle, Terra Cresta und noch 1997 ein Terra Cresta 3D für Sega Saturn. Aber es war jetzt ein Vierteljahrhundert still um diesen eher unbekannten Klassiker. Daher freue ich mich, dass mit Sol Cresta ein offizieller Nachfolger angekündigt ist. Zwei Dinge sind dabei besonders schön: Zum einen wird das Shoot'em up von PlatinumGames entwickelt, also den Machern von u.a. Bayonetta sowie Nier:Automata.



Zum anderen wollen Hideki Kamiya, Takanori Sato & Co das klassische Andocken kreativ erweitern: Das Flaggschiff "Yamato" besteht aus drei Raumschiffen. Und je nachdem, wie man "Amaterasu", "Tsukuyomi" und "Susano" (alles Gestalten der japanischen Mythologie) über das Andocken miteinander verbindet, ob horizontal oder vertikal über die Flanken, entstehen andere Angriffsmuster - bzw. -arten. Das klingt auch deshalb gut, weil man je nach Situation und Feind andere geometrische Formationen einsetzen sollte - und das dürfte einen taktischen dynamischen Wechsel erfordern.



Zwar ist es schade, dass dieses Sol Cresta nicht wie geplant am 9. Dezember für PC, Switch und PS4 erscheinen wird, sondern auf 2022 verschoben wurde. Aber der Release dürfte recht früh im nächsten Jahr liegen. Ich freu mich sehr darauf und bin gespannt, ob die Faszination der 80er heutztage nochmal aufflackern kann. Auch wenn ich vermute, dass der fast 50-jährige Jörg nicht nochmal in die oberen Plätze einer Rangliste kommen wird - das Internet ist eben keine Pommesbude.


Für PlatinumGames soll dieses Spiel übrigens der Auftakt für eine Reihe namens "Neo-Classic Arcade" sein, in der man den Geist der Pionierzeit noch öfter in modernem Gewand präsentieren will. (Bild oben: Moon Cresta, PSN; Bild unten: Sol Cresta, PlatinumGames)