Soundmagie aus London

Ich hab mal geschrieben, dass das Spiel nicht nur ein Zauberer, sondern auch ein großer Heiler sein kann. Denn unter dem Feuerwerk, dem digitalen Spaß und der reinen Unterhaltung, kann es - manchmal - auch über seine ästhetische Ausstrahlung, vielleicht seine Schönheit und Erhabenheit, positiv auf das Gemüt strahlen. Und einen großen Anteil an dieser Wirkung hat immer die Musik.


Sie funktioniert nicht nur wie ein Teleporter, wenn mich bekannte Töne für einen Augenblick zurück in die Arcade-Zeit beamen. Sie kann auch den Vorhang öffnen zu einer ganzen Spielwelt, die man von ihr begleitet erkundet hat. Man weiß genau, was man in diesem Abenteuer an welcher Stelle des Akkordes erlebt hat. Man schließt die Augen und spielt quasi alles nach.


Ich kann mich noch an das Konzert auf der Games Convention in Leipzig erinnern, als 2003 tatsächlich zum ersten Mal in Deutschland nur Spielemusik erklang - das war wunderbar! So etwas kannte man bis dato nur aus Japan. Die Begeisterung im Gewandhaus war so groß, das sich daraus mehr entwickeln konnte - auch das hat dazu beigetragen, dass das Spiel nach all der überzogenen Kritik endlich als Kulturgut wahrgenommen und in der Mitte der Gesellschaft ankommen konnte.



Falls ihr so etwas noch nicht erlebt habt, habe ich einen Tipp für euch. Ich weiß nicht, wie viele Wochen ich damals mit The Elder Scrolls: Skyrim verbracht habe - vieles habe ich vergessen oder (wie das Kampfsystem oder die KI) verdrängt. Aber eines hallt bis heute nach: dieser famose Soundtrack. Und heute Abend, am 11. November, wird das London Symphony Orchestra angesichts des zehnjährigen Jubiläums des Rollenspiels u.a. über YouTube ein Konzert geben - um 20 Uhr geht es los.


Hier schließt sich auch spielkulturell ein Kreis: Produziert wird das Ganze von Thomas Böcker, der sich schon zu C64- und Amiga-Zeiten für digitale Sounds interessierte und in einem Interview mal sagte: "Ich habe mir schon als Kind vorgestellt, wie es wohl wäre, Musik von Chris Hülsbeck von einem Orchester gespielt zu bekommen." Er dachte an Klassiker wie Katakis, The Great Giana Sisters und natürlich Turrican, die der "Soundmagier" aus Kassel damals mit markanten Melodien untermalte.


Tja, daraus wurde mehr: Auch Thomas Böcker haben wir zu verdanken, dass mittlerweile Sinfonien aus Spielen wie The Legend of Zelda, Final Fantasy & Co auch in Deutschland regelmäßiger in Konzerthallen zu hören sind. Er hat zahlreiche Auszeichnungen von "Best Live Concert"über "Best Album" bis "Outstanding Production"gewonnen und gilt international als einer der renommiertesten Produzenten.

(Bild oben: Offizielles Artwork zum 10jährigen Jubiläum von Skyrim, Bethesda; Bild unten: Thomas Böcker, Portrait von der offiziellen Webseite)